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In Erinnerung

Norbert Tadeusz
2006-01-02, Beider Sizilien (Mare), Acryl auf Leinwand, 400 x 600 cm

2011 ist Norbert Tadeusz 71-jährig gestorben. In seinen letzten Lebensjahren hat er, von einem vibrierenden Zeitgeist getragen, einige bedeutsame große, sehr große Bilder gemalt. Er war weit gereist und hatte sich bewundernd in die monumentalen Wand- und Tafelbilder der europäischen Kunstgeschichte vertieft; und seine geräumigen Ateliers in Düsseldorf und Terraferrata erlaubten ihm, weite Projektionsflächen, tiefe Handlungsräume auf großen Leinwänden zu schildern, in denen Ereignisse, Begegnungen aufeinanderprallen, sich verknäueln und lösen.

In der dunkel leuchtenden Marine „Beider Sizilien“ steht die Zeit still: es ist Nacht, der Himmel feuerrot. Menschen hängen am Himmel, der Schaum der Welle, die ein Surfer schlägt, liegt über einem Schlauchboot mit verängstigten schwarzen Flüchtlingen, eine weiße Nackte räkelt sich auf einer Luftmatratze, Männer, Frauen, Kinder schwimmen, drohen zu ertrinken; würde die Zeit bewegt, so stürzte ein gewaltiges Reitpferd aus der Mitte kopfüber in das Meer und risse alle hinab in die Tiefe.

Fürs erste ist „Beider Sizilien“ das Sizilien der Erholung suchenden Müßiggänger, der wohlhabenden, gut ausgerüsteten Touristen aus dem Norden und das jener Afrikaner, die ohne Hab und Gut auf mangelhaften Schlauchbooten waghalsig aus ihren Heimatländern über das Mittelmeer nach Europa fliehen. Tatsächlich nutzte Tadeusz das Foto eines Bootes aus Malaga, das damals durch die Weltpresse ging. Nichts hat sich seitdem verändert. Tausende sind über Lampedusa in die Staaten Europas eingesickert. Die Dissonanz der Bilder von lebenden und toten Strandenden und Urlaubern an den Ufern Italiens und Griechenlands bleibt unerträglich.

Das stürzende Pferd ist eins von vielen, die Tadeusz gemalt hat, seit er 1990 den Palio, das historische Pferderennen in Siena für sich entdeckte; und die exemplarischen Bilder von Pferden der italienischen Renaissance, die „Anghiari-Schlacht“ von Leonardo hatte er vor den Augen. Aber hier, in „Beider Sizilien“, sollte ein Pferd, ein stürzendes, eine Katastrophe, eine Apokalypse symbolhaft komprimieren.

Das „Königreich beider Sizilien“ (der Insel mit Palermo und des Festlandes um Neapel) ist das der Könige Ferdinand III. und des IV. von 1816 bis 1861. 400 Jahre zuvor herrschte dort Alfonso von Aragon, und ein unbekannter Künstler, Spanier oder Provençale, schuf um 1446
im Palazzo Sclafani ein Fresko (600 x 642 cm), das 1944 abgenommen wurde und heute in der Galleria regionale des Palazzo Abatellis gezeigt wird: „Der Triumph des Todes“ – ein Meisterwerk der spätgotischen Malerei.

Das bewehrte Skelett auf seinem galoppierenden Pferd füllt den Vordergrund des großen Bildes und verdrängt die zahlreichen getroffenen, getöteten, verschmähten, verschonten Würdenträger und Müßiggänger, die es bis an die Ränder füllen. Nur Picassos „Guernica“ ist so von einem Pferd bestimmt wie dieses Bild. Der Spanier kannte es: „Ich habe den „Trionfo“ von Palermo gesehen“ schrieb er an Guttuso. Im Film „Palermo Shooting“ von Wim Wenders nimmt es an der Handlung teil. Tadeusz hat es bewundert.


Das Pferd, das in „Beider Sizilien“ gleichermaßen das Bild beherrscht, tritt dem Betrachter nicht entgegen, um Leid und Tod zu verkünden, es fällt, es stürzt selbst und sein Reiter mit ihm. Es bestimmt dramatisch die Strömungen der Komposition, in denen sich Menschen und Gegenstände bewegen. Der Bildraum ist die Bühne eines Welttheaters, einer großen Oper. Aus welcher Höhe stürzt das Pferd?

In Sizilien ist die griechische Antike allgegenwärtig. Tadeusz kannte jene Höhe des Mythos, aus der der zürnende Zeus, wie Vergil in der Aeneis beschreibt, glühendes Pech in schwarzen Strudeln an die Ufer des Meeres wirft, die stygischen Flüsse hervorbrechen lässt und Blitze auf die Schiffe der Menschen schleudert. In solchen Apokalypsen können auch Menschen und Pferde vom Himmel fallen. Zorn und traumatische Angst sind über die Strandidylle geworfen, die hilflose Wut des Zeitgenossen, in dessen Leben die Katastrophe eingedrungen ist.

Unter den Schülern, die in der Düsseldorfer Akademie die Leitfigur Joseph Beuys umgaben, war Norbert Tadeusz der Maler, der Historienmaler, der die Kontingente der europäischen Kunstgeschichte als einen ungeheuren Schatz verehrte, kommentierte und bereicherte. So war ihm jedes Bild, das er schuf, so wart ihm „Beider Sizilien“ eine Verbeugung vor den Ahnen und ein Bekenntnis zur Zeitgeschichte zugleich. Es hat seine Aktualität nicht verloren.

14. März 2018





,P r o f . D r. W o l f g a n g B e c k e r
Gründungsdirektor der Neuen Galerie - Sammlung Ludwig 1970 und des Ludwig Forums für Internationale Kunst in Aachen 1990 i.R. –
Mitglied/ Member ICOM
Frei schaffender Kunstkritiker und Kunstberater
Lebt mit Frau Sonja und Sohn Jakob in Aachen

Foto: Friedhelm Petrovitsch 2017 vor Gemälde von Roland Mertens Bocca della Verità

Former Founding Director of the Neue Galerie - Ludwig Collection 1970 and the Ludwig Forum for International Art in Aachen 1990
Member ICOM
Free Lance Art Critic and Art Consultant
Lives in Aachen with his wife Sonja and their son Jakob

Born 1936 in Hannover
Art History Studies at the Universities of Cologne, Bonn and Paris
Cologne doctor thesis on „Paris and German Painting 1760-1840“
Collaboration with Irene and Peter Ludwig as Collectors of Contemporary Art in Cologne and Aachen since 1968
Founder and Director of the City Museum „Neue Galerie – Ludwig Collection“ since 1970
Professor of Art History at the Aachen High School since 1989
Chevalier de l´Ordre des Arts et des Lettres, Paris, 1990
Founder and Director of the Ludwig Forum for International Art in Aachen since 1991
Distincion por la Cultura Nacional de Cuba 1995
Golden Laury of the Society of Austrian artists 2007

Kardinalstrasse 1 D-52070 Aachen
Tel +49-241-156374
Mobil +49-178-5152530
wbecker@heimat.de
beckeraachen@gmail.com
www.wbecker.kulturserver.de
www.wasserkunst-ac.de
www.facebook wolfgang becker/ wasserkunst/ 1.000.050. Geburtstag der Kunst

Geboren 1936 in Hannover
Promotion zum Dr. phil. an der Universität Köln mit der Arbeit „Paris und die deutsche Malerei 1760-1840“
Zusammenarbeit mit dem Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig in Köln und Aachen seit 1968
Gründer und Leiter des Städtischen Museums „Neue Galerie-Sammlung Ludwig“ Aachen seit 1970
Professor für Kunstwissenschaft an der Fachhochschule Aachen seit 1989
Chevalier de l´Ordre des Arts et des Lettres, Paris, 1990
Gründer und Direktor des Ludwig Forums für Internationale Kunst in Aachen seit 1991 –
Distincion por la Cultura Nacional de Cuba 1995
Goldener Lorbeer der Gesellschaft bildender Künstler Österreichs 2007
Golden Laury of the Society of Austrian artists 2007

YOUTUBE
Wolfgang Becker in Videios von Daniel Rothbart:

Remarks On "Everything Flows, Nothing Stands Still (For Enrico Pedrini)"Premiere Screening of "Everything Flows, Nothing Stands Still (For Enrico Pedrini)," White Box, New York, NY, March 29, 2013.

Reflections On Art 1+ 2
Wolfgang Becker Interviewed by Daniel Rothbart at the Ludwig Forum for International Art, Aachen, Germany, Friday October 26, 2013

Meditation/Mediation
Meditation/Mediation is an ongoing project conceived by Daniel Rothbart. Collaboration with Wolfgang Becker, Sieben Quellen, Aachen 2013

A u s s t e l l u n g e n / E x h i b i t i o n s
:Zahlreiche Ausstellungen der Sammlung Ludwig/ Numerous exhibitions of the Ludwig Collection in Aachen, Stockholm, Rom, London, Paris, Tokio u. a.
Ausstellungen der Privatsammlungen Exhibitions of the Private Collections of Jung, Murken und Schürmann in Aachen
Einzelausstellungen der Künstler/ One-man-shows of the artists Roy Lichtenstein, Duane Hanson, Luciano Fabro, A. R. Penck, Georg Baselitz, On Kawara, Imi Knoebel, Katharina Fritsch, Frédéric Bruly-Bouabré, Chéri Samba, Richard Tuttle, Nan Goldin, Christian Boltanski, Keith Haring e.a.
Übersichtsausstellungen/ Surveys of Contemporary Art in Afrika, Lateinamerika, Japan, China, Australien, Korea, DDR, Rumänien, Ungarn, Tchechien – „Fluchtpunkt Moskau“ – „Ostkunst – Westkunst. Von der Pop Art zur Soz Art“ – „Continental Shift“ – „Streit-Lust“
Ausstellungen von Künstlergruppen, darunter/ Exhibitions of Artists´groups like „Les Nouveaux Fauves – Die Neuen Wilden“

2013 - 2016 iKUNSTWECHSEL
Eine Produzentengalerie in leerstehenden Ladenlokalen in Aachen

2013 Dahmengraben: Karl von Monschau - Klaus Herzog – Wilhelmstraße: „AHHA Aachens heiße Quellen und die Künstler“
2014 6 rumänische Künstler(Radu Dobre Sima) - „Bulgur“ Karl von Monschau - „Pollen – Samen – Blätter“ Mohammed Ahmed, Alan Sonfist, Mahmut Telfah - „Großraum“ Ralf Wierzbowski, Bernd Radtke
2015 Eugenie Degenaar - Wolfgang von Contzen, Arthur Jaworski - „Helden“ Brele Scholz, Ralf Wierzbowski - „Bezlan“ Mohammed Ahmed - „Das Schiff“, Flüchtlingskinder mit Eva Sous - „Kobane“, kurdische Fotografen - Performance, Installation Elana Katz - „Stadtlabor“ Junge Freunde des Ludwig Forums - „Quer“ Künstlerinnengruppe Dreieck - Installation Gerhard Benz
2016 Detlef Kellermann - Karl von Monschau „Carte Blanche“ „Paarweise“ - Reflex Ausstellung Plan 2 -
Karin Odendahl, bildende Künstlerin & Arndt Lorenz, Videograph: Videos, Fotos und Bilder auf Papier und Plexiglas -
in den Aachen Arkaden:
Heike Tödt „Böse Kinder“ Malerei
K U L T - U R - G U T
Eine Ausstellung der Künstlerinnengruppe
Dreieck - Driehoek - Triangle
in St. Elisabeth - Hotel Total
Daniel Rothbart "Unergründliche Theologien"
Eine Installation
Im Stadtbad: "Wasser im Stadtbad"
"Der Rhein" Fotos von Wolfgang von Contzen
"Schwimmer" Gemälde von Sigroid von Lintig
"Everything flows - nothing stands still" Videos von Daniel Rothbart

Curriculum Vitae


Je suis né à Hanovre en Allemagne le 10 octobre 1936, et l´enfant a passé les années suivantes – années d´avant-guerre, de guerre et d´après-guerre à Hamburg, sur la còte de la mer du nord, à Francfort et à Cologne. Puisque mon père était commercant de parfum j´ai commencé, après mon baccalauréat, une carrière de représentant international de la Maison d´Eau de Cologne de 4711, étudiant les langues anglaise, francaise, espagnole et portugaise. Mais à 23 ans j´ai découvert mes inclinaisons vraies, et j´ai commencé mes études d´histoire de l´art et d´archéologie aux universités de Cologne, de Bonn et de Paris que j´ai conclues avec une thèse de doctorat « Paris et la Peinture Allemande 1760 – 1840 ».

Les années 1967 et 1968 – années mouvementées d´un changement culturel radical – me portaient du lieu tranquil de l´université dans les turbulences des places publiques. Je m´engageait dans la promotion des premiers marchés d´art contemporain à Cologne, j´assistais à l´organisation de la première présentation des collection Hahn et Ludwig dans le musée Wallraf-Richartz de Cologne. Enfin, en 1969, le collectionneur Peter Ludwig m´invitait à organiser à Aix-La-Chapelle la « Neue Galerie – Sammlung Ludwig », un musée municipal qui présenterait, dans les années suivantes, les nouvelles acquisition du collectionneur.

Dans la Neue Galerie j´ai présenté un grand nombre de jeunes artistes la première fois, parmi eux beaucoup de Français – Ben Vautier, Erro, Anne et Patrick Poirier, Gérard Titus-Carmel, Christian Boltanski, le groupe Support-Surface - , et j´ai marqué de nouveaux styles de groupe, avec l´aide du collectionneur, comme l´Hyperréalisme et « Les Nouveaux Fauves ».

En 1991 j´ai ouvert un nouveau local à Aix : le Ludwig Forum d`Art International qui remplacait la Neue Galerie, une usine de parapluie de 6000 m² des années 20 habilement restaurée et adaptée. La Collection Ludwig m`a permis d´élargir l´horizon des présentations : les artistes de l´Allemagne de l´Est, de Russie, de la Checoslovachie, la Roumanie, Bulgarie, la Chine – et les arts des autres continents : des Africains, des Australiens, des Américains du Nord et du Sud.

En même temps la collection Ludwig m´a permis d´organiser beaucoup d´expositions à l´étranger, à Stockholm, Tokyo, Rome, Taipei, St. Petersburg, Londres et Havanne et de participer à la fondation de musées Ludwig à Vienne, Budapest, Coblence et Bejing.

Pendant cette période j´ai écrit et publié beaucoup et j´ai eu la chance, comme professeur à l´université d´Aix-La-Chapelle, de passer mes connaissances à des élèves depuis les années 80.

L´Etat Français m´a honoré avec l´ordre de Chevalier des lettre et des arts.

J´ai quitté mon poste de directeur du Ludwig Forum en 2001 et je continue à publier, à organiser des expositions et à conseiller.



I N D E X

Bibliografie 1964 - 1970 (Köln)

Text Projekt Hitler 2008

Interview englisch Biografie 2000

Bibliografie 1970 - 1989
(Periode: Aachen, Neue Galerie - Sammlung Ludwig)

Bibliografie 1990-2001 (Periode Aachen, Ludwig Forum für Internationale Kunst)

Bibliografie 2002 ff.

Text Les Nouveaux Fauves – Die Neuen Wilden 1980
Ausstellungskatalog / exhibition catalogue Neue Galerie Aachen 1980
:
Text Kunst heute in der DDR 1979 –
Art today in the German Democratic Republic 1979
Ausstellungskatalog / exhibition catalogue Neue Galerie Aachen 1979

Text Klischee und Antiklischee.
Bildformen der Gegenwart/
Cliché and Anti-Cliché. Contemporary visual appearances
1.Ausstellungskatalog / 1. exhibition catalogue Neue Galerie Aachen 1970

Text Aspekte sowjetischer Kunst der Gegenwart / Aspects of contemporary soviet art
Sammlung Ludwig / Ludwig Collection
Ausstellungskatalog / exhibition catalogue Neue Galerie 1983

Text Von der Revolution zur Perestroika / From the revolution to Perestroika
Sowjetische Kunst aus der Sammlung Ludwig/ Sviet art from the Ludwig Collection
Ausstellungskatalog / exhibition catalogue Luzern 1989

Text Tableaux d´Allemagne. 40 ans d´Art allemand dans la Collection Ludwig
Ausstellungskatalog / exhibition catalogue Museum Luxemburg 1992

Text Die Vorbereitung des digitalen Auges.
Zum Fotorealismus der siebziger Jahre /
The preparation of the digital eye.
Remarks on Photorealism of the seventies.
Ausstellungskatalog / exhibition catalogue IPERREALISTI, Rom 2003

Text Wolfgang Nester Katalog Herzogenerath 2016

Text Helge Hommes
Der Baum im Spiegel
Ausstellungskatalog Museum Siegen 2010

Text Wolf Vostell
B 52. Der Lippenstiftbomber, in:
Ausstellungskatalog Wolf Vostell
Rheinisches Landesmuseum Bonn 2007

Text Erfahrungen im 6. Kontinent in:
Ronny Delrue,
Touching the earth and the sky
Textbuch zur Ausstellung des Genter Künstlers inHasselt 2009
d eutsch - englisch













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