BIPOLARIS

(c) 1995











Das einzige, was uns Deutsche wirklich eint, ist der gemeinsame Sprung in der Schüssel. Das nennt man den germanischen Ur-Sprung.
(Martin Buchholz)















salamanderZ. - ralf-j.egert












„In jeder Gesellschaft, sei sie demokratisch, diktatorisch oder totalitär, muss ein Journalist die Wahrheit verteidigen. Er muss da sein, wo keiner sein will, das aussprechen, was keiner auszusprechen wagt, schreiben und sprechen ohne Furcht und niemals vom Weg abweichen, auch wenn der Preis dafür Gefängnis, Irrenhaus oder Exil sein kann – oder alles zusammen!“
(Jesus Zuniga, KUBA)










Tagebuchfragmente - kurz "BIPOLARIS" genannt - aus dem: „Weil nicht ist, was nicht sein darf…“








Für die, die mir über Jahre alle Fehlerhaftigkeit verzeihen –
deren Mut und Kraft den freien Fall verhinderten.
Ihre Entschlossenheit, ihre Willenskraft sind kurz bevor es zu spät wurde, in mir erwacht. Danke.

Weniger schwülstig gerafft:
„The boys are back in town: Rock’n roll!"





(c) 2006 by

sZ. alias Ralf-J. Egert alias Fredi J. alias rje, alias dj, alias salaZ., alias "unknown", alias dsj, …,alias folgender Vitalwerte:
RR 145/ 90; P 124; Pulmo: dtl. Giemen; regelmäßige, laute Herztöne; wach und orientiert; Lungenemphysem, COPD, SAS, Asthma bronchiale, hypertensive Herzkrankheit, Reflux, Cushing-Syndrom, reaktive Depression, physische Hinfälligkeit, Diabetes; Sauerstoffmangel, Hypoglykämie, rezivid. Synkopen, ; anerkannte Schwerbehinderung liegt derzeit bei 70% GdB! (29.09.2006)

Aber nicht Panther, Tiger und Co., dat war Tucholsky!







I.





Ich erinnere mich an die Auseinandersetzung mit meiner Psychologin: "Hinnehmen, was nicht zu ändern ist…“ – der Gelassenheitsspruch!
Markige Worte, denen ich entgegenhielt: „Bloch!“
Kein Sumpf, der nicht mit Arbeit auszutrocknen ist!
Die Worte hallen nach, obwohl meine Therapie lange zurück liegt.

Stakkato:

Versagen wollte ich lernen.
Verlieren.
Mich anderen offenbaren.
Mein nunmehr gesundheitlich zerstörtes Sein akzeptieren.
Fallen lassen.

Jemehr ich jene Rolle annahm, oder – um im Fachjargon zu bleiben – verinnerlichte, desto mehr bettelte man um die Auferstehung des „Alten“.
Zum Glück blieb der Berg zu; fiel der Schlüssel zur Gruft wieder in den dreckigen Gulli, wo er hoffentlich verschlammt.

Kurios:

Meine Umwelt beweinte ihre Vergangenheit - ich beargwöhnte die meine.

Reuig:

Die vielen Rollen, die ich von Berufswegen spielen musste, spielte - oder (Ausrede?) eben das gelebte Leben einer nicht spießbürgerlichen Existenz in seiner schillernden Konsequenz forderte gar zwanghaft mit sich brachte. Übrigens habe ich alle gerne bedient und drehte mich suhlend in einer Spirale aus Realität, Schutz und „dem großen Unbekannten“.

- Für Freudianer wäre jetzt die Rede von Es, Ich und ÜberIch. –

Ich rauschte in der Arbeit, arbeitete im Rausch und berauschte mich arbeitend.

Nichtausschweifend niedergezinselt:

Feinde, Freunde, Kinder – eine Vielzahl von Enttäuschungen Wunden und Narben auf allen Seiten.

Das soziale Umfeld – es konnte sich selten, meist nie in mich hineindenken, war zunehmend überfordert. Zu komplex und verwirrend waren Vita und Tat.
Puzzleteile, die ich bereit war fein auszustreuen, aber andere nicht zusammen fügen konnten.
Wie auch? Tausende von verzahnten Teilchen, welche nur mit Geduld und Zeit ein wirklich sichtbares Bild hätten formen können. Ich überforderte alle.
Ich brach ab, gab auf, ging auf Flucht.
Nicht einmal. Viele Male.
Viele Leben lang…

Konsekutiv: Sie sahen Fletschers Visionen…
ich hatte die Realität (Achtung: Metapher!).



Ein modernes Oha! für kognitive Trapezkünstler -
Grundlage dieses Textteils war beigefügte, krankenlagerentstandende Notiz:
Williams, Kafka, Büchner, Hölderlin…alle gelesen…
doch Serner, öfter Bukowski gelebt.
Bernhard und Hammett passten nicht mehr…
Bernstein und Kraus – der Schuh zu groß?
Mit Trakl, Delius und Beckett teile ich die Nacht…









II.


Dem investigativen Leben der Jahre 1988-94 zollte ich Tribut. Und, obwohl lange her, ich zahle immer wieder und immer noch. Nur eins habe ich inzwischen wirklich an mir erfahren: die Kraft liegt im Bestehen, und nicht in der Flucht.
Und schon gar nicht, weil die Netzwerke an Kollegen, Freunden u.a. brechen – gar unterminiert werden. Der Entschluss das Sein im Dasein zu suchen ist fester denn je.
Auch die „Droge“, die einst jene Omnipotenz im Kampf verschaffte ist längst Geschichte. Kein Künstlerjournalistenwieauchimmergewitzel mehr; kein „Fehlfarbenleben"!

(„…wenn die Wirklichkeit dich überholt,
hast du keine Freunde
nicht mal Alkohol…
Ich weiß nicht mal genau,
wer ich bin,
in der Zeitung zu lesen,
macht keinen Sinn...
Du stehst in der Fremde,
dein Ziel wird sein -
das ist das Ende,
du bleibst allein...
Die zweite Hälfte des Himmels könnt Ihr haben,
das Hier und das Jetzt,
das behalt ich!"

Fehlfarben: Deutschfunkband der 80er.)


Keine Entmündigung, durch persönliche Defizite.

Schubladen und Schablonen gehören unpassend gemacht.

Und es traf viele, nicht nur mich…

Es trifft immer noch!

Mittlerweile müssen einige denken, was will der?

Niente.

Ach so, natürlich nicht ausschweifend sein. Wird einem gern und mir besonders im Gebrauch der Sprache vorgeworfen.
Das Gesprächsgegenüber ist doch nicht dumm!
Mitnichten.
War immer eins meiner Anliegen: der Glaube an den vernunftbegabten, d.h. denkenden Menschen.
Ich höre meine humanistische Erziehung laut furzen! Und wie oft badete ich in der Wirklichkeit?

Ohne Worte. Keep on framing!

Oder deutsch: “Schieß dich endgültig ins Aus!”

(Vorsicht: Viele Metaphern!“ )
Lediglich fragmentarisch öffentlich machen, was mir keiner zu nehmen vermag: das Wort! Und was sollte ein Autor anderes nutzen, als die Sprache.


Falls einige Personen in Sorge oder sich sonstwie angesprochen fühlen:
Details sind hier vergeblich zu suchen, doch mein Kopf funktioniert nicht wie eine schluderig komponierte Seifenoper – entgegen aller Krankheit, Medikation und den Zufälligkeiten der letzten Wochen.



Hardcore:
Die Notizen zu den letzten Passagen – ein Rätsel?
Melodien.
Klassik.
Jeder Ton, anders angeschlagen, eine andere Empfindung.
Jede Aufnahme der „Klassiker“: Unterschiedlich.
In meinem Empfinden.
In dem Empfinden von Millionen.
Und Worte?
Das Wort?
Metaphern, Bilder.
Unterschiedlich gesagt.
Unterschiedlich gehört.
Alles wird unterschiedlich interpretiert.
Wer hört zu? Vertraut seinen eigenen Phantasien?
Schade um die Musik.










III.



Das Motiv: Ich nenne es Kaspar!
Nicht der Kasper…
Gedanke und Bild führen zu K. Hauser.
Ab jetzt sollte sich sowieso jeder seinen eigenen Reim machen. Ich will nur Motiv und Richtung dokumentieren.

„Möge die Macht mit dem Lesenden sein…“

Es ist bequem und bekannt, die Hirnzellen zu schonen.
Schwarzweiß ist ein Massenphänomen. Es geht dabei nicht um die Farbe, sondern um die Uniformität der frommen Denkungsart. Bunt, die Vielfalt der Möglichkeiten, schreckt.
Das selbstständige Denken wird dem bereitgestellten Wahrheitsbrei geopfert.

Nihil fit sine causa!

Wem danach ist: gern. Doch sollte er dann hier mit dem Lesen aufhören, da ich sonst noch ob meiner Verrücktheit nicht entzückt verrückt wäre.

Bleibt zur Zeit nur Goethe:

"Die Geister, die ich rief...walle, walle..."

Dem Zauberlehrling ging die Puste aus!

Doch war es nur die Puste?

Hmmmm…

Durchstöbern und repetieren wir das Bild in „DaDa-Hasenklein“

Jawohl, desperanto!


Der mächtige,
ganz doll mächtige Zauberer verließ kurz das Haus -
prompt zog der Lehrling den Besen raus…

Er wedelte wild und wurd plötzlich bange,
ob den düsteren Staub
er jetzt besser mit Wasser fange…

(Bereits die Legende Quentin Crisp hat beeindruckend festgestellt, dass sich eine Staubdecke nach sieben Jahren nicht mehr im Volumen verändert! -
Und die Dichte? Hä?!?)


So, nun denkt nach und hebt ab in die Welt der Assoziation!


Rock'n Roll!!!




Ein Nachtrag: Wilhelm Reich erklärte dem skeptischen Kurt Eissler schon 1952, bevor er selbst abgeholt und inhaftiert wurde: Wer von der Peripherie durch die "mittlere Schicht" seines Charakterpanzers hindurchstoßen will, um zum "Zentrum zu gelangen, wo das Natürliche, das Normale, das Gesunde liegt", der "muß durch die Hölle gehen". In dieser mittleren Schicht herrschen "Verwirrung, Zusammenbruch, melancholische Depression und Schrecken".
Der Preis, den jeder zahlen muß, der es wagt zum Kern der Dinge und des eigenen Ichs vorzustoßen, um endlich den gattungsgeschichtlichen Sprung zu vollbringen, und ein "neuer Mensch" zu werden.


Oder:



"Wat für'n Kick, wenn die Sucht
nicht das kriegt, was sie sucht..."

(Heinz Rudolf Kunze)






Kleine chiasmatische Spielerei:



Sucht sucht Sucht!
Sucht Sucht Sucht?

Neues ist nicht immer gut,
und Gutes nicht immer neu!

Des des des derf!
(hessisches Gebabbel)



Viva DADA!








IV.


Wenn man sie so anstiert, die Eiligen, die Besten, Guten, die Schönen - so dicht gedrängt, aneinandergeklettet im Cocktail aus Schweiß und brunftig anmutenden Rasierwässerchen; die verbalen Abgase der Gesellschaft inhalierend: dann weiß man finalement wie dieser menschliche Fortbestand inszeniert ist.
Strunzbieder wird in den neusten Windungen nichtigen Geschehens gesuhlt - in Trefftrinkhallen, der Tschibo-Kaffeeklappe oder auf sogenannten Parties - bis zum Brechreiz kleingebröselt und ziseliert aufgesagt, und das sie sich sowieso sowas gedacht hätten...
Dann wird dem zum Sägemehl im Hirn gehörigen Körper warm ums Herz, quietschen "kultig"und das sie froh sind, dass ihnen keiner die Wahrheit sagt.
Mein zerstreutes ICH kann nur noch versuchen arschfreundlich umherzugucken, vielleicht etwas zoolüstern sich einzusammeln, und raunzt am Ende: DESPERANTO!

Nachtrag:

Die verantwortungsbewußte literarische Zukunft liegt im Recycling von vorhandenen Texten, unfreiwilligen Bon Mots, Geistesblitzen, Ideenkurzschlüssen, chronischen Black Outs, Hypothalamusgestöber, Gedankenluftschlangen und wie ich es nenne: Hirnkonfetti!


"Alle Straßen münden in schwarze Verwesung!"

(Georg Trakl, Grodek)








Kunst treiben
und den anderen verekeln,
sie treiben und vor sich selbst verekeln,
anders ist sie nicht mehr erträglich...


"Warum also, Freund, sie überhaupt noch treiben?"


Aus Paradoxie, Abneigung gegen Konsequenz?


Ich schlage in diesem Fall vor, logisch zu sein und nicht mehr zu dichten, und zu malen, und zu...


Sie sehen in mir den, welcher mit Ehrgeiz begann, schrieb, wirkte, las und stritt;
an einem schönen Tag das gehütete Manuskript verbrannte und seither ein anonymer Mann, der bemessenen Schritts ruhig durch die Leute wankt und seine Freude an ihrer Dummheit hat -
klar und bestimmt -
gepflegter Egoist.







So sieht Glück aus...

This is what happiness looks like...




Schlußszene:

Closing scene:




"Natürlich lüge ich!"
"Of course I'm lying!"


PENG!
Bang!







V.


Pimp my story....





Auszüge:


Alle redeten.
Der Staatsanwalt wollte beweisen, dass er sein Gehalt nicht umsonst bezog, außerdem hatte er wohl als beschränkter Mensch seine Gebrauchsprinzipien. Der hemmungslose Winkeladvokat wiederum ließ sich von seiner Zockermentalität leiten. Und die Zeugen waren der Meinung, mit ihrem Geschwätz den Staat zusammenzuhalten.
Die ganze Zeit saß Fredi Jakupke mit einem Gesicht da, als interessierte ihn das Gerede auf das lebhafteste und als wäre er angefüllt mit einem Gefühl aus Unschuld und wahrer Gerechtigkeitsliebe.
„Und? Ist ihnen etwas Ungewöhnliches aufgefallen?“
Jakupke hob leicht den Kopf und sah den Staatsanwalt an.
Was habe ich ihnen gesagt? signalisierte sein Blick. Juristenpack! Stellen ohnehin bloß idiotische Fragen. Bedächtig, fast provokativ fuhr er sich mit der Zunge langsam über die Lippen, wobei er aussah, als wolle er ein Lachen unterdrücken.
„Das Ungewöhnliche, das war die Leiche…“, sagte er knapp und vergnügt zugleich.
Dem konnte man nicht widersprechen.

Für mich war der sechste Verhandlungstag in Sachen Volk gegen Jakupke somit beendet, bevor er überhaupt richtig angefangen hatte.
Gemächlich streifte ich die Jacke über und verließ unter den nachdrücklich Widerwillen heuchelnden Grimassen der Beobachter den Saal.

Draußen, vor dem uralten Gemäuer deutscher Rechtssprechung, schien die Sonne und es wimmelte vor Menschen.
Leute kamen und gingen und trugen ihre aufgesetzten Gesichter zur Schau - keine der Gesichtsameisen kannte die andere.
Für einen kurzen Moment hielt ich inne und beobachtete Szene.
Ich war hier, mehr war ich nicht. Teilnahmslos. Ohne Gefühl.
Ich erschrak.

Oben im Gerichtsaal hatte Jakupke unterdessen vermutlich wieder einen seiner bewährten Auftritte und log dem Richter mit wachsweichem Blabla die Hucke voll, bevor es zurück in die U-Haft ging.
Und ich?
Ich sehnte mich nach meiner Zelle.
Na ja, mit Zelle meine ich achtundsiebzig Quadratmeter Altbauwohnung, zweites Obergeschoß, Dielenboden. Gesunde gutbürgerliche Nachbarschaft inklusive.
Und es gibt Fenster. Insgesamt fünf, wobei eins aus Glasbausteinen besteht.
Die letzten Wochen habe ich - überwiegend Bleistifte zernagend - in der jener Zelle zugebracht. Ob nun die erste sommerliche Hitzewelle oder Jakupke der Auslöser der freiwilligen Internierung waren - ich weiß es nicht, aber außer Schweiß wäre ohnehin nicht viel zu Papier gekommen. Zudem haben diese Sommertage - überall sind Fenster und Türen weit geöffnet - ihren einzigartigen, zugegeben voyeuristischen Charme, welchem ich mich nur schwer entziehen kann und mag.
Ohrenkino.
Unfreiwillig rückt man Mensch näher zusammen; teilt den Alltag in der Audio-Version. Und was ist geiler, als das alltägliche Einerlei anderer. Sommer, Hitze, Schicksale und ich in der ersten Reihe!
Gelangweiltes Balgen ferienerkrankter Kids; missmutiges Gezeter arbeitslauniger Mütter; der fast hysterisch anmutende nächtliche Aufschrei der Libido; Gescharre; Gemaule; Wut und Verzweiflung – manchmal ein bisschen Glück.
Ein durchaus stimmiges Programm, das jeden Privatsender abstinken lässt.
Hinzu gesellen sich noch sechs oder sieben Fernsehsender in mindestens zwei Sprachen, ein Hauch Radio, der hämmernde Bass neuster Technoklänge, Hip-Hop...

Stop!

Jemand buffte mir von hinten in die Rippen.

„Folterkammer…“, hörte ich eine männliche Stimme fluchen.
„Heb dir das Plädoyer für morgen auf!“
Eine zweite Stimme mischte sich ein.
„Himmelherrgott, außerdem fehlt dir bei der Scheißhitze die Spucke, um so viel zu labern!“

Die beiden hatten mich aus meinem dumpfen Brüten geweckt. Ich bemerkte, dass ich schwitzte und der Puls am hämmern war. Der Magen krampfte und obendrein schnürte etwas die Kehle zu.
Ich zitterte; ich atmete schwer.
Weg hier!
In den letzten Monaten quälte mich dieses Gefühl häufiger: völlig unvermittelt schreckliche Angstattacken.
Raff ein paar Klamotten zusammen, ab in `nen Koffer und hau ab!
Weg!


Leavin' on a jet plane...
don't know when I'll be back again...



In dieser Sekunde wurde mir klar, was ich nun schon seit Wochen verdrängt hatte: Ich wollte die Ratte Jakupke töten.

(...)

Gewisse Ideen lassen sich offensichtlich nicht auf Dauer verdrängen, dachte ich, obgleich sie so ungeheuerlich sind...
Oder gerade weil sie so ungeheuerlich sind?
Zwei Monate war es her, da bin ich zurück in die Stadt gekommen, die ich viele Monate zuvor fluchtartig verließ. Zwei Monate, wo ich Fredi J. im Knast wusste...
Jakupke kam mir verändert vor, aber - bin ich noch der, der ich vor zwei Monaten war?







VI.


let the good times roll…




(Zwei alte Texte bereiten mir Vergnügen...Hmmm...)


1.



da stellt sich die frage von bruce chatwin, die man eigentlich immer stellen sollte: was tue ich hier?

im fernsehen belobhudelt sich unter dem inhaltslosen moderatorengekrächze jbk’s die fußballnation. die ewig alten fratzen – jedenfalls die, die nicht schon längst unter ihrem geliebten grünen rasen liegen – „live – on – screen“ (ein hirnscreening wäre besser, die bilder würden mich wenigstens amüsieren)!

jau, wie war das damals?

„rahn müsste schießen und rahn schießt – tor,tor,tor!“



loddar… ein verbales schwergewicht in jedweder sprache stammelt dumm rum… statt pisa-studie jetzt pisa-studio.

auftritt pocher. „wir holen den titel…“ der mann ist nun weißgott nicht komisch… o, lehrer kerner – freund alter tage – wie tief müssen wir noch sinken…

war es nicht schon damals so, als wir auf dem fürstenplatz im noblen berliner westend einen steifen beim selbst anmoderierten torschuss kriegten…
„von links kommt kerner… kerner… er dreht sich…“ - und im tor stand deine kleine schwester julia oder mein bruder mike.
und manchmal florian herbst, sohn eines anderen jo… glasiger blick bei jedem schuss.

mensch johannes baptiste… noch immer auf dem trip: „es gefällt, was sich ziemt?“ alter spezie, schlag bei goethe nach: „es ziemt sich, was gefällt!“

alles lüge… „we are the champions“ – bah! wann kommt endlich der ständig volltrunkene dfb-schluckspecht MV und lallt mich in schlaf – bitte!

jo, jo, und das jo labert…


mein lieber - so war es auch, als du engert im sfb die schuhe gewienert hast und ammenmärchen vom rebellischen studenten bei der boulettenbude mc’… kreiertest.
jo, legenden waren schon immer dein thema… schade. unsere wege trennten sich bald – irgendwann in dem glasgang, der noch immer den jetzt rbb hörfunk mit dem fernsehneubau verbindet… und das ist gut so!

obwohl du mich noch über jahre hinweg gegrüßt hast, konnte ich ich mich deiner gedankenwelt nicht fügen; auch nicht der bei der großen volkspartei, wo du ebenfalls geordnet hast, während ich austrat. tja, ich war nie moderat… hatte fragen und die habe ich immer noch.

gleichwirdsbestimmtendlichsuper… so sollte die nächste show heißen… oder nd (neudeutsch) GW(-)BES (gewerkschaft besser) und für die wm empfehle ich ähnliches. football is comin’ home… hermes (lass wenigstens den namen programm sein), alter götterbote, jag sie raus…







2.



wochenstart...starte smart...jetzt haste den salat...
welcome to the last two weeks of the fools...


die letzten narreteien sind angesagt...kölle fiebert der fastnacht entgegen...und ich fiebere heftigst im bett...
gehts euch gut, ihr gevögelten auf rügen?

ich muss gerade die konsequenzen meines verfrühten aufstehens ertragen: fieber, gelenkschmerzen, schüttelfrost...von allem etwas - etwas zuviel. rebellion der antikörper...
außerdem quält mich der bittere nachgeschmack dieser unerträglichen verfilmung der "sturmflut", welche mir die flimmerkiste gestern nahebringen wollte. grusel hochmalschießmichweg...dramaturgische kardinalsfehler, schlechte dialoge und zu guter letzt: fast niemand in dem Film sah aus wie aus 1962; kostüme, masken und requisiten - alles falsch.
denk ich an deutsches fernsehen in der nacht… werd ich in den schlaf gebracht…

die worte verziehen sich... dann wieder hocken sie alle um mich herum und warten ob ich sie nicht doch mal wieder benutzen möchte... schüchtern... ich gebe nach und bereue es sofort...die Worte sind unbrauchbar...
ansonsten: lese als vorableseexemplar paul auster, brooklyn revue. erscheint am 17.3.06...sensationelles buch...identifikation möglich, sprache 1+...ganz großer guru (grins)...







den frust von der seele schreiben – bei manitu, welche seele? meine backen (selbst die am hinteren rückenteil) zum hinhalten sind aufgebraucht – ab sofort trifft es nur noch die f…
das maß an leidensfähikeit erschöpft, der mut fast dahin und nur ein kleiner faden ist von dem dünnen seil übrig, das ich gewoben hatte.
gruppe? oja, hmmmmmm… blablabla… jedes schweigen in der pampa freudenholms war erquicklicher…
freunde? rufen sie uns nicht an, wir rufen sie an…
gefühle? was du bist a…, na dann prost und ciao bello…
materielle notwendigkeiten: mittlerweile drei prozeße um den mammon…
selbst einstweilige verfügungen tangieren die damen und herren in ihrer selbstherrlichkeit nicht. papier ist eben geduldig und mittlerweile frage ich mich ernsthaft, ob nicht taktik dahinter steckt. das procedere dient der beihilfe zum suizid…
leben… wo?

in zeiten säkulärer orientierungslosigkeit; abu ghureib; terror im namen des islam, des wenauchimmer - und natürlich burger king- wird es schwierig, die linie zu halten. habe festgestellt, das ich wieder mal gegen den frieden bin. auf zum nuklearen showdown und der vernichtung der sogenannten zivilisierten welt. jau, gebt mir 'nen joystick!!!
nebenbei: für den frieden sind so viele, mit denen ich ums verrecken nicht einer meinung sein kann. friedensgewinnler - heisa, wie absurd. sie verbergen sich sich hinter dem deckmäntelchen der kunst, der politik, der frommen denkungsart und in den fünfzig-cent shops, in welchen alles dann doch mehr kostet...


so dat war der auftakt in die woche...
zwei tage waren nicht lang und so war es auch nicht gemeint. doch wat sollen die ganzen sätze...
kann wieder leidlich atmen, leidlich husten und dazu paffen...








ikea - achja - gemeint ist, dass in den verräterischen blicken folgendes zu vermuten ist: "kann er den balg nicht bei dem weib lassen...; passt dort besser hin, so wie die frau zu den ikeamöbeln..."grunz, stöhn, kotz...

entdecke das land der unmöglichkeiten...zwischenruf: der kleine nils will aus dem kinderparadies abgeholt werden...keiner kommt...vaddern ist endlich an den kotzböllern im restaurant erstickt...







VII.



"Die Erinnerung ist das einzigste Paradies, aus dem man uns nicht vertreiben kann!"
Robert Musil






"Die Liebe ist ein Zeitvertreib, man nimmt dazu den Unterleib!"
Erich Kästner






Die Schule der Geläufigkeit, die Liebe und deren Protagonisten - sowie wie man Menschen nicht behandelt. Dazu kommen hier in einigen Tagen öffentliche Gedanken, Unerklärlichkeiten, Simplifizierung - und unter welch primitiv-banalen Umständen man sich plötzlich auf der

Station 39

wiederfindet. Ein Theaterstück in sechs Szenen.

Freut Euch drauf! Muss die Kinder in den Schlaf husten!






"Und der Mensch ist nur ein Tier,
Immer, und erst recht zu zweit -
Komm spiel auf
Mir,
Die Schule der Geläufigkeit.
Dazu bin ich ja da...!"

Erich Kästner






"Ich möchte folgende winzige Botschaft hinterlassen: Jemand hat in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts deutlich die Entstehung eines monströsen und globalen Mangels verspürt!"
Michel Houellebecq







VIII.


entfällt






IX.

Glas halb voll...
Glas halb leer...











Grummel, grübel...

Es ist fast beliebig.
Zuerst dachte ich, dass ich endlich damit anfange müsste, jenes Glas prallen Lebens als halb voll anzusehen - weit gefehlt!
Eben beliebig.

Leer, voll - scheißegal!

Für mich, für den Fortgang der Geschichte, für jede zyklische determinierte Fehlerhaftigkeit - oder?
Wie blödgläubig sind wir zu meinen, den Furz in der Geschichte, den wir als Menschen hinterlassen, tatsächlich korrektiv beeinflussen zu können?
Wie viel philosophischer Größenwahn steckt hinter diesem Gedanken?

Hey Doc, wie wär’s mit 250mg Seroquel? Ich könnte endlich ein dämlich-breites Grinsen darüber verlieren und hätte Ruhe!

Es ist auch nichts ernst zu Nehmendes, es ist ein langezogenes Paradox, aber es tut nicht weh!

Verdammt, Menschen sind dem Universum als Fliegenschissbestandteil erst seit einem winzigen Bruchteil in seiner unendlichen Geschichte bekannt (Wahrscheinlich eher gar nicht; wobei ich Evolution und zukünftiges Ende zugleich meine!).
Die Geschichte der Wiederholungen. Unausweichlich.
Zyklisch.
Ein Dehnen und sich Zusammenziehen...
Wie beim Koitus - und der ist letztendlich auch nur die immer gleiche Übung.

Es haben oder nicht haben. Spontan ruhen lassen, um dann wieder auf ein Keimen zu lauern. Nichts beschleunigen, um zu vermeiden, dass der Samen schießt und die Frucht nicht zu früh beschneiden. In alle Richtungen treiben lassen, bis das orgiastische sich abzeichnet. Bei Körpertemperatur servieren. Ein simples Rezept.
Aber was tun, wenn man nicht verrückt ist. Wie soll man Zeugung, Entwicklung, den Koitus, das Unberechenbar-Geniale verstehen?

Bimbim!


Replay - und wir glauben die Hand am Abzug zu haben!
Flip-flop-fly! 1000 Punkte, Freispiel, geistiger Praecox!

Eine Geschichte im Ohrensessel; eine Geschichte von immer wiederholten Fehlern, die dennoch perfide von Gesellschaftsonanisten begangen werden mussten, um den vermeintlichen Fortschritt zu sichern.
Und der ist wiederum beliebig, weil stumpfsinnig und austauschbar.

Gibt es überhaupt Fortschritt?
Fortschritt = Rückschritt?

Ein Flugzeug fliegt von Osten nach Westen,
ein anderes von West nach Ost.
Beide mit derselben Geschwindigkeit und dennoch vergeht die Zeit unterschiedlich schnell.

Hilfe, Ihr menschelndes Weltichverstehdichrichtigundkannalleserklärendberurteilenpack!

Sie wiederholten sich.
Die Kriege, Kämpfe, seelischen und religiösen Schlachten ums ideologische Paradies.
Zum Teufel mit Glas voll oder Glas leer...-
es ist relativ und hilft mir nicht in meiner persönlichen Misere.

Ein vorgespieltes Leben, kein wirkliches gelebt, nur eine gegaukelte Existenz, keine tatsächliche!
Diktiert, dominiert, gedrungen...
Erzogen zu Fehlleistung, Odyssee und manch traumatischem; immer wieder reaktiv, immer wieder dieselben Fehler; konsekutiv wie der Lauf der Dinge nun mal ist. Du bist, ja wirst gewesen worden sein. Habe ich bereits mit siebzehn gewusst. Hilflos und spätpubertär. Trank Leben in mich rein, und begriff das alles was mich betrifft nur ein vorgespieltes, kein tatsächliches und kein wirkliches Gewesen ist.


Es frisst sich durch!


Ich empfinde auch keine Zufriedenheit im Wiederkäuen meines Elends und in der millionenfachen imaginären Vervielfältigung desselben.
Meine Erfindungsgabe, Poesie, Rhetorik - alles wirft sich auf diesen kranken Fleck bzw. lässt sich nur zu gerne auf einen solchen werfen.
Lebensgewalt, Leib und die marode Seele suchen immer wieder mit beachtlicher Präzision diesen fast unheilbaren Flecken - bis zur Ermattung, Trance oder Erlösung.

Ist es bedenklich, wenn ich an Wedekinds Erdgeist-Lied denke?

Oja!

"Greife wacker nach der Sünde,
Aus der Sünde wächst Genuss,
Ach du gleichst einem Kinde,
Dem man alles zeigen muss.

Meide nicht die ird'schen Schätze,
Wo sie liegen, nimm sie mit -
Hat die Welt doch nur Gesetze,
Dass man sie mit Füßen tritt.

Glücklich, wer geschickt und heiter
Über frische Gräber hopst;
Tanzend auf der Galgenleiter
Hat sich keiner noch gemopst."


Kurzum: Strunz! Wie Flasche leer...Und nicht nur der!




Demnächst Station 39!







X.


Ein quälender Abend…





Nachdenken:
Häng ich am Leben?
An Herz, Lunge, Magen, Pankreas, an dem Verstand oder was sonst noch so aus den Fugen geraten ist?

Weiterdenken:
sei ehrlich, es geht schon ums Ganze!
Langsamer Tod.
Einfach jeden Tag weniger werden.
Pharmakuren, bis du nicht mehr weißt, ob Mann ob Frau, ob Tier oder Phantom; bis dich Depressionen erwürgen und Impotenz in dir fault - ein Klumpen Niedergang!
Den Tod herbeisehnen, weil zu feige und kraftlos um sich selbst zu richten.

Si!
Jajaja – da seid ihr wieder, ihr Spiralen im Hirn…
War es ein Traum?
Ich schlenderte durch den "Moabiter Kiez" (falls es den überhaupt noch gibt).
Nicht trunken, aber auch nicht wach.
Ein Schauern im Körper.
Kalt.

Viel los.

Es ist Sommer.
Es ist heiß und schwül.
Es ist Zwielicht.

Ich geh bei Rot über die Straße, werde gerammt und dann überrollt - ich merk nichts.
Keine körperliche Reaktion.
Keine Antwort auf Fragen.
Kein Anfassen zu spüren.
Kein Verlangen.
Ich bin für die anderen nicht da.
Bin wohl tot, deshalb – glaube ich - ist das so.







XI.


kill (ert) Beckmann…





JBK habe ich fertig.
jawohl, alter kumpel!
keene worte mehr.

doch eins muss ick loswerden – jetzt, da icke darf:
kill (ert) endlich beckmann.
oder betet.

mit der hitzewelle konnte man noch fertig werden, und auch der dritte platz der deutschen fussballnationalmannschaft war zu verkraften.
ob in england bomben gefunden wurden oder nicht; irre in amerika billige analysen des geschehens im libanon abgeben – scheiß drauf, nichts gegen beckmann in seiner öffentlich-rechtlichen dauerpräzenz!

beckmann - gipfel jeglichen leidens!



(zum glück hat das leiden mit minutiöser präzision ein ende, aber…
jaul!)


man sollte und muss fragen, ob dat kerlchen sich schon mal eine seiner sendungen angesehen hat. und wenn ja: wie hielt er das nur aus?
Mit zugekleisterten augen und dicken stöpseln in den ohren?

inhaltlich sollte der gebührenzahler darauf bestehen, anstatt dem öffentlich-rechtlichen B. seinen game-boy der gez zu melden - jedes ballerspiel hat mehr niveau!
der mann vom mond lädt zu oft ein.
und sie folgen, die quasi-prominenz – direkt aus dem waschsalon oder den reha-kliniken auf sylt.

fragen:
-mit welcher reader’s-digest miniausgabe bereitet sich das B. vor?
-hält eigentlich irgendein produzent oder aufnahmeleiter während der sendung den gästen die knarre an den kopf?
ich meine, wer würde auf den verbalen schwachsinn sonst antworten oder gar herzlich mitlachen…


beckmann ist ein phänomen, und man sollte ein tiefdruckgebiet nach ihm benennen.
die einzige rolle, die ich ihm zutraue.
aber wir haben ja zum glück viel für den klimaschutz übrig!

soll ick nun die stunden bis JBK’s erwachen zählen, um dich nicht mehr ertragen zu müssen?
gilt die genfer konvention gegen folter auch für „das Erste" und "das Zweite"?
ich nehme euch das zumindest übel und werde mich bei AI erkundigen.
bis dahin zahle ich keine gebühren mehr oder fordere den sendeschluß zurück; inkl. testbild und nationalhymne.

…danach lasst uns alle streben, brüderlich mit herz und hand…

auf desperanto:

„…hörst du die stimme die dir sagt…
into the light…
and I waste my tears...
(falco)









XII.


Aphorismen aus der Vergangenheit…





Memento mori: je unwahrscheinlicher ein Vorfall ist, desto wahrscheinlicher ist er.
Behaupte zumindest ich, der ich ein Vorfall bin, der durch die Unwahrscheinlichkeit dieser Behauptung gleichwohl nicht wahrscheinlicher wird. Ziehe es darum vor, ohne weitere Behauptungen vorzufallen!






„Das Leben ist eine Komödie für die Denkenden und eine Tragödie für die, welche fühlen!“ (Hippokrates)
Und ich?
Wo sind die Endorphine, jene Widerstandsnester gegen den Schmerz? Ausgeschaltet durch die pharmazeutische Keule?
Ich erwarte keine Post mehr, keine Anrufe; und ich tue gut daran, denn es kommt ja auch nichts. Aber es ist mir egal. Ich bin nicht länger halb-wirr, nicht vollwirr, sondern einfach und simpel nur müde!






Nur eine Leiche ist frei von Widersprüchen und Gefühlen. Alles was sie zu tun hat, ist zu zerfallen…
Morbid?
Der ewigmenschliche Herkuleskampf ums physische und psychische Wohl nimmt mitunter kuriose Wege hin zum Original.
Upps!
Originales?
Beginnt hier etwa etwas Neues?
Auf zu neuen Ufern,
Galeerensklaven des Verstandes!






Angriff, Konflikt, Wandel, Krise, Höhepunkt, Auflösung!
Elementare Abfolge des Dramas und ebenso auf das Hier und Jetzt übertragbar.
Jedes Objekt hat drei Dimensionen:
Höhe, Breite und Tiefe.
Menschen – wenauchimmerlob- drei weitere:
- eine körperliche;
- eine soziale;
- eine seelisch-geistige.

Was, wenn all diese genannten Dimensionen mehr oder minder zeitgleich aus den Fugen geraten?

Was, Herr Dramatiker, was dann?

Ein erratischer Konflikt entsteht – Hauptfehler in der Stückentwicklung; absolut zu vermeiden – keiner kann ihn logisch nachvollziehen.
Der Wechsel von einem emotionalen Zustand in einen völlig anderen – immer im Kreis!
Das erste Gebot der Dramaturgie als Lösung?


Eine dreidimensionale Figur muss in einen Konflikt geraten bzw. ihn auflösen. Nur im Konflikt häutet sie sich.
Schicht um Schicht – bis man den wahren Menschen dahinter erkennt.


Worte, Worte, Worte…
Und verschwiemelte Verzweiflung!

O-lala!








Augenblick um Augenblick blitzt die Zukunft in Reichweite auf. Wenn ich nicht ein Stück davon erhasche, schnappe, ohne mich festzuklammern; wenn ich die Zeit nicht forme, ohne die Kontinuität einzelner Momente zu zerreißen –
Nichts bliebe zurück!






Identifikation erzeugt Emotion und fliegen lernt nur, wer aus allen Wolken fällt!






„Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Phantasie!“
(Kästner)






Chronischer Black-out und besorgt-mahnendes Gegrunze: „Du siehst aber scheiße aus!“

Na und!

Die Banalität öffentlichen Geredes und der Tropismen des Alltags versuche ich nicht mehr für mich zu entlarven.
Es lebt sich vergnügter.
Befindlichkeiten werden – wenn überhaupt – höchstens aus der Perspektive der Raucherecke eines progressiven humanistischen Gymnasiums betrachtet. Was bleibt sind die Antipoden perforierte Coolness und entsetzliche Peinlichkeit!

Hallo Großschnauze!







Encore eine Woche des Aufbäumens, der profanen Scharmützel und gnadenlos verschenkter Zeit im gesellschaftlich-heuchlerischen Possentheater.
Malade!
Je länger ich bin,
desto mehr Gräben werden offenbar!
Riss um Riss,
und es fühlt sich verdammt dreckig an!









XIII.


1.





Im Zimmer…



Meine Wohnung, mein Bett, meine Bilder…

Hier liege ich nun und raffe mir das Laken bis zum Kinn. Führe Zwiegespräche mit der Zimmerdecke und einem vermeintlichen Gott.

Okay?



Ist da wirklich wer?
Und nehmen wir mal an, da ist jemand: Warum hast Du Arsch mich in diese vermaledeite Lage gebracht?

Bin ich ein Proband für dich?

Ich bekenne ganz simpel, dass es dich nicht gibt!

Yoooh!

Deine Testläufe habe ich doch längst bestanden; bin härter als du!

Mieser Körper, schlechte Gene, fatales Elternhaus und, und, und…
Wenn du dich jetzt zeigst, spuck ich dir ins Gesicht (Du Spottgeburt aus Dreck und Feuer! Goethe, Faust I) - falls du außer dicken Eiterbeulen überhaupt eins hast.

Musst du bisweilen auch aufs Klo?
Ich andauernd.
Furosemid.
Ich piss mich noch um Kopf und Kragen.

Du hast mich lange genug getriezt, deshalb: komm endlich runter, damit ich uferlose Gewissheit habe!

Über das Warten bin ich wohl eingenickt und habe nicht ins Bett genässt.

O-Gott!



Oder:
No more Bethlehem!








2.




Schlafen, aufwachen, schlafen, aufwachen – jämmerlich!

Ich kaue auf einem Gedanken herum:
Man hat irgendwann mal gemessen, dass Embryonen träumen.

Wovon?

Wovon träumen sie?
Noch nichts gesehen, noch nichts erlebt…

Träume ohne Nachgeschmack -
ich wollte sagen: ohne Erinnerung!

Standardsoftware ab Werk sozusagen.
Ob die Software bei jedem gleich ist?

Zum Glück fresse ich Tabletten gegen zu viele Gedanken und erlebe mich keinem Gefühl mehr zugehörig.

the psychotic actor cries: desperanto!


Oder:

Du, der Gefällige,
Warum du so fürchterlich bist?
Das zu Gefällige
Ist ähnlich der List.

(Goethe, Zahme Xenien VIII)






XIV.


betrachtungen aus absurdistan…




versandtaschen…
also ab in den nächsten copy-shop… hätte ich mir den weg doch gespart…
surren von vervielfältigungsapparaten, an der kasse dudelt ein radio jämmerlichen klamauk und mittendrin schimpft eine chica in ihr handy: „alles blockiert… (betont) stun-den…!“
vor ihr ein kleiner mann, rotes gesicht – so rot, wie die wundgekauten lippen. der zähler addiert gnadenlos die kopien, die er vorlage um vorlage in das gerät einlegt.
collagen?
ausser der handychica nimmt niemand anstoss; jener im kopierwahn fühlt sich allein in seiner welt – steigert gar das tempo.
diagnose: der mann ist verliebt! so fieberhaft kopiert man keine bewerbungsunterlagen oder atteste für die krankenkasse. nein, die vorlagenplatte dient als altar, auf dem der beneidenswerte seine seele opfert. sammelsurium, persönlicher krimskrams – kurz schnipsel aller art…
was bedeutet das paketband, welches ebenfalls abgelichtet wird?
hochseiltanz?
strick um den hals?

vorlagenstau…








XV.


ein seufzer…





tja, in der smogbedeckten stadt besucht der gedanke der freiheit und liebe viele in ihren noch lebendigen leibern, aber er führt sie nicht zusammen…er isoliert sie…
all die einsamen und freien.
nicht brüder noch schwestern sind sie…
und nichts anderes scheint tatsächlich so wesentlich, wie diese leidende virtuosität – und das versprechen, das sie sich gegeben haben.
was für eine mühsal…
leider noch immer nicht "auf dem dampfer", höchstens der nach...
ja wohin eigentlich?
der kick, den ich letzte woche verspürte, ebbt ab und der alltag hat mich wieder.
grauseliges empfinden, dass andere fühlte sich gut an – tat gut...

heute: frühstück mit dialog um 11; kleinere termine und abends
"zauberhaftes" im theater der seelen…
lustfaktor: mittelmäßig.


warum schreibe ich das überhaupt?
im ohr dröhnt die mahnende stimme der psychologin: nehmen sie sich endlich wichtig...sie sind es...fordern sie ein...werden sie wütend...

papperlapapp!

tue ich das nicht gerade?

ein seufzer ins nirwana...






XVI.


Die Wirklichkeit ist härter...



Der Traditionelle Krimi in Deutschland gehört in den Bereich Romantik.
Spukschlossphantasien, böse Mächte, Tüfteleien mit der allumfassenden Frage


"Wer ist der Täter?"...

Doch der Thriller von heute muss eine Variante der Publizistik sein, um auf dem Markt, vor allem dem internationalen, Bestand zu haben. International gelten - übrigens auch für die Literatur -, andere Kriterien. In den Plots werden Hintergründe, Verhältnisse und Strukturen erforscht - mit kurzen Worten: sie liefern Enthüllungen, dokumentieren, warnen. Immer auf der Suche nach dem Risiko in unserer von Blut bekleckerten Welt.
Die bundesheimatliche Clique von Schreiberlingen ist mit wenigen Ausnahmen meisterlich im Ignorieren der Wirklichkeit. Recherchieren ist verpönt unter den Mordsdichtern, die sich in der belle étage ihres kleinbürgerlichen Publikums eingenistet haben, und die grausige Welt wie eine schludrig komponierte Seifenoper konsumieren:
Eheproblemchen, Eifersuchtsqualen, Erbschaftsgerangel, ein bißchen Amigo...
Die Motive in den flimmernden Präsentationen haben nur wenig mit dem real-existierenden Verbrechen in unserer Gesellschaft gemein. Kurzum: der deutsche Krimi ist der älteste Hut am Lager - weitab von der Wirklichkeit.
Dabei ist die Realität ein wabernder Katalog für Geschichten, die das Leben kritzelt bzw. bereits in die Annalen der Geschichte eingestampft hat. In diesen ungezeigten Reißern könnte es zugehen, wie es unter zivilisierten Unmenschen gang und gäbe ist: Der Zweck ist entscheidend; Macht wird durchgesetzt, koste es was es wolle.
Menschenleben sind Billigware, der Profit heilig.

Der Autor als Korrespondent aus dem Meuscheluniversum.

Walter Serner warnte bereits in den turbulenten zwanziger Jahren:

"Die Welt wird immer kleiner. Vergiß es nicht. Sonst kann es dir passieren, dass du meinst weit vom Schuß zu sein, und du stehst vor dem Pistolenlauf!"


Die schreibenden Quasselstrippen im BRD-Land haben von Weisheiten dieser Güte keine Ahnung.

Es wird Zeit...

desperanto!






XVII.


„On the Road“


– schneller als der Alltag und vor allem schneller als Muttern!


Alle waren sie immer unterwegs: damals, lange vor jeder Zeitrechnung. Das war der Lifestyle der Jäger und Sammler, aber niemand weiß, wie sie sich selbst nannten.
Freigeister? Freaks? The Home and Restless? Gar Easy Rider?
Vor vielen tausend Jahren war dann jedenfalls Schluss: Ackerbau und feste Siedlungen wurden zu den Highways der Evolution. Hinzu gesellten sich Viehzucht und einige – noch primitive – handwerkliche Praktiken, und so sah es tatsächlich so aus, als wäre das Leben furchtbar simpel.
Mensch arbeitete, vermehrte sich und saß ansonsten stumpf rum. Ein Zustand, den man heute – in Erinnerung an unsere Ahnen – nur stoned nennen kann.
Doch nicht alle trauten dem Frieden…
Einige – nennen wir sie Freaks – hockten abends vor ihren Hütten und blinzelten gen Horizont, hinter dem wohl der Abgrund drohte. Und während sie an ihrem Nachtmahlknochen nagten, entflammte in ihnen das merkwürdige Gefühl, etwas ganz Wichtigem verlustig zu sein: Es war, als würde ein gigantisches Gewitter aufziehen; ein Tosen, lauter als jedes Mammut; etwas, das das Leben unsagbar kompliziert machen würde, voller Absprachen und komplexer Regeln.


Sie hatten Recht!

Das fahle Licht in der Ferne war mitnichten ein Wetterleuchten, sondern die Dämmerung der Zivilisation.
Niemand hat etwas gegen Fortschritt. Das Neue ist bloß ein klein bisschen fragwürdig, weil man es nicht kennt. Als die ersten Eisenbahnen um Geschwindigkeitsrekorde buhlten, hieß es lapidar, Menschen würden sterben, bewegten sie sich schneller als mit dreißig Stundenkilometern.
Als die Gebrüder Lumière während ihrer frühen Filmvorführungen 1895 die Einfahrt eines Zuges in einen Bahnhof zeigten, stürzten die Zuschauer in Panik aus dem Saal, aus Angst, der Zug würde sie überrollen.
In Hongkong bezahlte der Besitzer des ersten Kinos drei Wochen lang seine Mitbürger, damit sie sich Filme anschauten. Ziel: Es sollte ihnen die Angst genommen werden, dass die Schatten auf der Leinwand über sie herfallen.
Later on fanden das alle ganz toll!
Der Speed und das künstliche Bild waren Sensationen der Neuzeit – unheimlich und faszinierend, erst recht zusammen.
Bald darauf rasten Männer in Flugzeugen, Zeppelinen, Zügen, Schiffen – sogar der Wuppertaler Schwebebahn(!)-, aber vor allem in Autos über die Leinwand. Was für’n Temporausch – den Kick wollte jeder erleben!
Im Kino startet das ganze als Spektakel. Der Road Movie. Ganze Blockbuster leben bis dato prima von Geschwindigkeit und Attraktion; von Hormonen, welche in schweißnasse Armlehnen versickern, und dem Tempo, das keine Sekunde die Frage nach einem Sinn aufkommen lässt.
Geil ist es, unterwegs zu sein – aber leider kommt man irgendwann an.
Vor der Ankunft ist Platz für Hoffnung. Jener unbekannte Ort könnte die neue Heimat sein; der miese Job, die große Chance; ein fremder Mensch, die Liebe fürs Leben.
Doch kaum angelangt, hält neben dem optimistisch in die Sonne lugenden Reisenden schon eine zweite Kutsche und ihr entsteigt:


Mutter!

Na ja, eben die Vergangenheit. Das Elend.
Und es geht weiter wie bisher.
Conclusio: Besser also, man bleibt unterwegs und verschiebt die Ankunft auf das nächste Leben.


Sei schneller, als der Alltag – und Mutter!


Back on the Road again!






XVIII.



Was für ein Trip…




Der ständige Brechreiz,
das Zittern in Fingern und Gliedmaßen,
die Schweißausbrüche, die Rückenschmerzen, die nachhaltigen Gleichgewichtsstörungen und: Angst.
Angst, mitten auf der Straße zusammenzufallen.
Als ich vorhin durch den Park lief, hatten sich die Bäume in der erstarrten Luft auf einmal wie von selbst bewegt;
kein Wind, der sie bewegte.
Und plötzlich:
die mit Saugnäpfen versehenen Zweige einer Trauerweide erfassten mich
und zogen den Körper empor in Richtung Wolken,
wo sie mich – kurz hinter den Fabrikschloten – angeekelt ausspuckten.


Was für’n Trip…


Da sag einer, Antidepressiva bringen es nicht…






XIX.


Einigkeit und Recht und Freizeit…




Samstag.

Mein Mondgesicht betrachtet die gefühllose Kugel Bauch, die jeden Moment zu bersten droht. Scheiß Kortison. Alles an mir magert ab, nur das runde Ding will nicht weniger werden.

Samstag.

Schwerfällig keuchend verlasse ich das Bett und sinniere darüber, wie viel dumme Teutonen härtere Strafen für Selbstmordattentäter fordern würden.

Samstag.

Endlich: Ich kann laut lachen!

Samstag.

Viertelvoristehegal.

Samstag.

Zeit für die Zeitung.
Im Treppenhaus begegne ich ausnahmsweise einem Mitbewohner, der sich entschlossenen Schritts auf den Weg in die Hartz IV – Kneipe an der Ecke begibt. Hartz IV und der Tag gehört dir. Die Nacht allerdings dem traumlosen Schlaf eines Betrunkenem. Doch wovon sollte er auch träumen...
Träumen wollen…
Vom Selbstmordattentäter und den zweiundsiebzig Jungfrauen im Paradies?
Wahrscheinlich lallt er later on irgendwas von härteren Strafen und: Al-ka-Selzer!

Samstag.

Tag der beschwerten Beschwerde.
O-ja! Muss auch noch am System mäkeln. Tagesprogramm, welches mich dann doch auf die sinnloseste Weise deprimiert.

Samstag.

Kurz bevor ich innerlich aufgebe, stoße ich auf folgende Annonce in der Berliner Zeitung (28/29.10.06):
Hilfe!
Eine Chemikalie und Gas verändern mich so, dass man aus der Entfernung mit einer elektronischen Technik auf mich zugreifen kann. Wer weiß Näheres und wendet sich an den Polizeiabschnitt 18 oder schreibt mir? BLZ 576ZPF021285, 10124 Berlin.

Samstag.


Einigkeit und Recht und Freizeit…






XX.



Aut vincere aut mori




„Auf Narrenhausdielen, die dünn sind. Weil meine Träume sich dort tummeln…“(Dylan Thomas)


Was ist unerwünscht gegen notwendig?
O-ha!
Literarisch verzweifelt zu sein, weil ich in Wirklichkeit verzweifelt bin?
Krank versus nützlich?
Wer auf Mitleid spekuliert, krepiert!
Was ist los, mit Kirche, Papst und Völlerei?
Demut?
Verzeihen?
Preiset den Herrn, der uns Hass und Unversöhnlichkeit beibringt, denn er hält uns wenigstens am Leben.
Das erste Gebot macht uns zu Sklaven, doch das zweite – ja, das macht uns frei!
Es hat mir immer geholfen, über mein Leben zu schreiben. Doch es fraß auch viel an Kraft.
Kraft, die häufig im Alltag fehlt.
Hose runter, Schwanz raus, der Krake die weißklebrige Hand zur Versöhnung entgegengestreckt und: gnadenloses Gelächter!
Wir werden gewesen sein!
Und wer keinen Widerstand leistet, wird ohnehin gewesen sein!
Manchmal fühle ich mich wie eine Hure, die man bestiegen und in Folge nicht bezahlt hat.
Wie schwächlich, kindisch – ach, es tropft ab das Harz…

Herbst.









XXI.


Nur so, George Double-U...




„Ich muss wirklich lachen, wenn ich das FBI über Al-Qaida als Organisation von Bin Laden reden höre. Es ist eine ganz simple Geschichte: Wenn Bin Laden Leute aus Saudi-Arabien oder Kuwait empfing, tat er dies im Gästehaus in Peschawar. Von dort zogen sie auf die Schlachtfelder und kehrten zurück, ohne Dokumentation. Es gab nur einen freundlichen Empfang, und dann gehst du dahin, und nimmst am Krieg teil - eine sehr einfache Organisation. Dann wurde er bedrängt von besorgten Familien, die nach ihren Söhnen fragten - und er wusste es nicht, weil es keine Aufzeichnungen gab. Also ließ er seine Leute in Peschawar Listen über jeden Araber führen, der unter seine Schirmherrschaft kam. Es wurde der Ankunftstag aufgezeichnet und wie lange sie blieben - manche nur für zwei oder drei Wochen, um dann wieder zu verschwinden. Diese Aufzeichnung, diese Dokumentation, wurde Al-Qaida genannt. Das ist Al-Qaida! Nichts Geheimnisvolles, keine Organisation wie eine Terroristenorganisation oder eine Untergrundgruppe. Für seine eigene Gruppe hat er diesen Namen nie benutzt. Wenn man sie benennen sollte, würde man "Bin Laden Gruppe" sagen - Al-Qaida ist nur die Liste all der Leute, die irgendwann in das Gästehaus in Peschawar kamen. Insgesamt bestimmt 20-30.000 Leute, die man unmöglich verfolgen kann.“ (O-Ton)







XXII.


Obacht!




Pass auf Seele, mische dich jetzt herbstlich unter die letzten Singvögel, welche zum Abflug gen Süden trällern. Breite deine Schwingen aus und los geht es!
Doch wofür?
Wofür(?) sagen Herz und Verstand; rauscht thrombosegefährdetes Blut in meinem Körper.
Keine Antwort in den vier Wänden, den meinigen. Kein Echo, kein noch so bescheidener Widerhall. Angestrengt lausche ich ins Eis, doch das knistert nicht einmal.
Wofür? Als riesige Reklametafel thront das Wort über mir.

„Life is younger than the mountains, older than the trees…”

Kein menschlicher Laut, lediglich das Radio dudelt. Ich fühle mich gefangen im Leben.
Maulaufmachen und Schreiben bauen auf. Ich kann den Menschen stolzer in die Augen schauen, wenn man mir entgegenkommt. Und: Ich weiche weniger zurück!

Heute ist wohl auch kein Silberstreif am Horizont zu sehen.
Mutlos.
Uns im Ich verloren.
Fett wird die Vergangenheit, mager die Zukunft, blass die Gegenwart.
Mir fehlt die passende Arznei.
Das Leben drängt unerbittlich vorwärts, geradeso als ob es den Tod nicht erwarten könnte…

(Hmmm…)

Wieviel Hoserunterlassen dient der Wahrheit?

(Hmmm…)







XXIII.


Morbid…




Nicht Rache,
meine Rente als Dasein im Hansa-Ghetto
Wie Friede dem letzten Atemzug…

Und zugetan
Den Fesseln und Stricken
Den Halbwertzeiten von Worthülsen.

Habe ich übel getan, dass ich unschuldig mein Herz verraten muss, um zu leben?

Getraut habe ich mich immer.
Auch dann, wenn klebrige Zungen Wache vor dem Schneewittchensarg der Seele hielten…
Aber nicht getraut habe ich immer mir.

Das Sein stachelt das Hirn mit immer neuen Affekten bis die Intelligenz zum Mausoleum wird…
Und dann?

Erhob ES sich, ging hin…
Erhängte sich.






XXIV.


The Road Not Taken




Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;

Then took the other, as just as fair,
And having perhaps the better claim,
Because it was grassy and wanted wear;
Though as for that the passing there
Had worn them really about the same,

And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I kept the first for another day!
Yet knowing how way leads on to way,
I doubted if I should ever come back.

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I—
I took the one less traveled by,

And that has made all the difference.

Robert Frost (1874–1963)







XXV.


Die andere Notiz…




Verführerisch trat sie an mich heran und hauchte lasziv:

„Mein Name ist Pandora!“

Kurzes Innehalten.

Wer mags schon aus der Dose?

Ich schob die Büchse beiseite.







XXVI.


Mi fa male…


oder: was macht der Ganzseitenumbruch in meiner Birne?



Seit Tagen bin ich elend beisammen. Werde im Inneren unsichtbar berührt und fühle mich wehrlos.
Psst, sei still!
Auch wenn sie draufschlagen, was du dir seit mehr als zwanzig Jahren aufgebaut hast.
Vom Schotter zum Licht.
Vom Staub in die Reinheit.
Vom Lärm in die Stille.
Vom 20. ins 21. Jahrhundert.
Einen schönen Gruß an die Software.

Softwareklima.
Unbeständig.

Und es stimmt: die Waffen im Schädel sind blank!
Und in den Köpfen mancher rattert es: Muss der sich melden?
Der Krüppel!
Er muss!
Schon alleine deshalb, da er hinter ihren Schweinsäuglein das Entsetzen wittert, wenn jemand Mut hat.
Ich bin der weiße Fleck, und ich habe nichts gegen weiße Flecken, solange dementsprechend Farbe vorhanden ist: zum Draufpinseln!

Soll ich was verraten?
Ich liebe die Veränderung.
Die Metamorphose.
Ich will sie.
Ich bin mit dem, was ich bin, nicht eins, ich bin nicht zufrieden!
Ich bin und will nicht zuend sein mit mir!
Ist mein Leben ein schillernder Seelenporno oder nur der Wasserfall, welcher durchs Hirn rauscht?

Sorry, ich gebe es zu: ich bin ein egoistischer Krüppel, und es ist immer noch kalt und einsam!






XXVII.


La, re, fa, re...




Früher hell.
Es geht schon auf Frühling zu.
Später wird es dunkel.


Und aus dem Radio trällert Johnny Mandel im weichsten Westcoast-Idiom:


“That suicide is painless, it brings on many changes, and I can take or leave it if I please!”

Papperlapapp.
Frühlingslarifari.









I see a Darkness (Johnny Cash)




Well, you're my friend, and can you see?
Many times, we've been out drinking;
Many times we shared our thoughts
But did you ever, ever notice, the kind of thoughts I got?
Well, you know I have a love; a love for everyone I know
And you know I have a drive, to live I won't let go
But can you see its opposition, comes rising up sometimes?
That its dreadful imposition, comes blacking in my mind?

And then I see a darkness
And then I see a darkness
And then I see a darkness
And then I see a darkness
Did you know how much I love you?
Its a hope that somehow you
Can save me from this darkness

Well, I hope that someday buddy
We have peace in our lives;
Together or apart
Alone or with our wives
And we can stop our whoring
And pull the smiles inside
And light it up forever
And never go to sleep
My best unbeaten brother
This isn't all I see

Oh no, I see a darkness
Oh no, I see a darkness
(Oh) no, I see a darkness
Oh no, I see a darkness
Did you know how much I love you?
Its a hope that somehow you
Can save me from this darkness



If you can read my mind (Johnny Cash)




If you could read my mind, love,
What a tale my thoughts could tell.
Johnny Just like an old time movie,
'Bout a ghost from a wishing well.
Cash In a castle dark or a fortress strong,
With chains upon my feet.
If You know that ghost is me.
And I will never be set free
You As long as I'm a ghost that you can't see.
Could
If I could read your mind, love,
What a tale your thoughts could tell.
Read Just like a paperback novel,
The kind the drugstores sell.
When you reached the part where the heartaches come,
My The hero would be me.
But heroes often fail,
And you won't read that book again
Mind Because the ending's just too hard to take!

I'd walk away like a movie star
Who gets burned in a three way script.

A movie queen to play the scene
Of bringing all the good things out in me.
But for now, love, let's be real;
Lyrics I never thought I could act this way
And I've got to say that I just don't get it.
Lyrics I don't know where we went wrong,
But the feeling's gone
And I just can't get it back.

If you could read my mind, love,
What a tale my thoughts could tell.
Just like an old time movie,
Alle 'Bout a ghost from a wishing well.
In a castle dark or a fortress strong.
Johnny With chains upon my feet.
But stories always end,
And if you read between the lines,
Cash You'll know that I'm just tryin' to understand
The feelin's that you lack.






Nächtlicher Schauer (Traumwirrwarr)




Fahles Licht.
Eine blaue Bauerntruhe.
Plötzlich erscheint sie wie ein Sarg, innen bespannt mit weißer Seide und:
darin eingebettet ein Skelett.

Morgendämmerung.

Das Skelett steigt heraus und setzt sich kurzerhand auf das schwarze Sofa aus lederähnlichem, atmungsaktivem, schmutzunempfindlichem Material.
Warum ausgerechnet auf das traumhaft schöne, günstige Einzelstück, das mich rücksichtslos verfolgt; das, wie der Wolf im Märchen, überall auf mich lauert und immer schon da ist, auf Geburtstagsfeten, bei Freunden, im Fernsehen, beim Zahnarzt, in den Wellnesstempeln, den Redaktionen, den Verlagen, den Parteien, auf dem Sperrmüll und den Souks Casablancas?

Warum?

Das Skelett spricht nicht.
Klappert nicht.
Wie auch.
Unterfederung in Schaumstoffqualität und Watteabdeckung.
Sitzt da.
Regungslos.
Schweigend.

Troll dich zurück in den Schlaf!

Von Schlaf zu Schlaf.
Schlaf in dem alles passiert und alles so bleibt wie es ist.
Fahr- und drehbar durch Chromrollen; Rückenstütze aus Polyätherschaum.

Eine blaue Bauerntruhe.
Die blaue Bauerntruhe.
Morgendämmerung.
Ich schaue hinein: etwas Scheiße ist darin.








Fumifugium (Traumwirrwarr II)


Mein Grabstein.
Er steht mitten in einem Theater.
Habe ich das Schlussbild selbst entworfen?

Lächelnd?

Aus einem raffiniert drapierten Laken ragt der todesschlanke Schädel wie ein Säuglingskopf aus dem imaginären Mutterschoß.
Wo der selbstgefällige Dreitagebart sitzt, prangen die Schamlippen.

Was für’n Witz.
Glaube an die Wiedergeburt?
Kiefer zahnlos und die Augen strahlen nach innen.
Mach dich auf im Smog deiner Stadt, erhebe dich!
Und ich laufe los, ich, der Schädel.
Im Fumifugium in den Straßen zwischen Kirche und Theater, Kneipe und Bordell, zwischen den Seiten der Bücher, in Staatsgeschäften und Kleiderschrank, zwischen Kanzel und Scheißhaus.
Nacht überall.
Würmer und Menschen,
die Engel und der Schlaf der Allerheiligen,
Gott in seinem Sarg,
der Teufel in Strapsen,
Staub auf der Kanzel und das Versmaß deliriert…

Hörst Du es?
Schädel?
Du bist es, der sinnentleert am Himmel hängt!

Finale Position.
Fumifugium.






Banales aus der Baracke...





Was hast du gestern unternommen?
Geisterstunde.
Wie?
Ich war im Theater.
Und?

//Erwartungsvolles Schweigen//


Ich bin älter geworden.







Schlaflos.





All die sternlosen Städte in den Jahren.
Passepartoutstädte.
Verwahranstalten menschelnder Hallowiegehts.

Ich habe in ihnen gelebt – sie durchstreift, durchsucht, durchwacht, durchlitten.
Länger oder kürzer, aber keine ist mir wirklich so nah, dass ich mich als ihr Bürger fühlen würde.

Dennoch muss ich von Zeit zu Zeit in sie zurückkehren.
Einen Bogen schlagend, welcher sich zunehmend erweitert.
Ich fühle, dass er noch an Größe gewinnen kann.
Und dann?
Irgendwann ankommen?






XXXI.


Dunkelrot.




Sie spricht nichts von Bedeutung.
Nichts, als die Lust auf ein Zimmer.
Eine Nummer.
Warum schminkt sie sich die Lippen Dunkelrot?

Sie ist noch nicht alt,
nicht jung;
ein Koffer aus Plastik
mit Leder verziert.

Und die Umhängetasche?
Kleinigkeiten
und alle Wichtigkeiten dieser Welt.

Die Frau,
hennagefärbte Haare -
am Ansatz blond –
hat einen gültigen Pass,
eine Identität,
einen Status,
einen Koffer,
schiefe Absätze.

Wer will wissen,
warum sie sich so abgenutzt haben?
Hat sie den Koffer aus dem Warenhaus?

Sie hat es eilig.
Nicht eilig genug,
um ein Bild an der Wand zu betrachten,
und die halbgenaue Uhr,
welche Mitternacht zeigt.

Sie,
die Frau,
im zerknitterten Mantel,
der jede Form verbirgt,
sie hat Zeit genug, keine Zeit zu haben.

Sie wird ein Zimmer beziehen.
Frisch gelüftet mit dem Regen;
ein frisch bezogenes, zu weiches Bett.

Keine Ansprüche.
Nicht diese Nacht.
Im Hotel.

Fein säuberlich wird sie ihre wenigen Kleider auf der Matratze ausbreiten,
sie alle auf Bügel hängen,
barfuß das Fenster einen Spalt öffnen.

Sie hört dem Regen zu.
Den Geräuschen.
Eine fremde Stadt.

Irgendetwas wird sie denken, das niemand weiß.
Und möglicherweise fährt sie sich mit der Zunge über die Lippen,
um sich im selben Moment gewiss zu sein,
dass sie niemand sieht.

Sie könnte nackt am Fenster stehen.
Dem Regen zuhören.
In dieser fremden Stadt.
Und dem Hotel voller leerer Geräusche.

Sie schweigt,
weil sie das am besten kann,
und das Bett sowieso keine Antwort parat hat.
Auch nicht die vergilbten Vorhänge.

Und sie zieht sich die Lippen nach.


Dunkelrot.






XXXII.


Berlin, Mitte



(Traumwirrwarr III- Fragment)



Lautlos geht der Tag zu Ende.

Entlang den großen Straßen
die geläuterte Vergangenheit.
Wiederauferstanden.
Welten.
Brücken vom Jetzt zum Eben
und zum Nichts.

Die Verwandlung der letzten Ruinen,
zerfallenen Bögen und Türme;
der Silhouetten und Schattentheater.
Wände ohne Hinterraum.

Wunderlabyrinth.

Der Blick vergisst,
wohin er schaut.
Leere Fenster,
die glitzernde Sternbilder umfassen.

Ein Zittern.
Tief unter der Erde das Grollen
der U-Bahn,
die in alle Richtungen
nach Westen führt.

Aus dem Außerordentlichen
im immer Gleichen -
aus
Berlin-Mitte.







Hie und da möchte ich schreien,
krakeelen,
wenn sich das schwarze Tierchen wieder meldet.
Angekettet lauert es unterhalb des Magens auf seinen Einsatz.
Kein Freund in der Nähe,
der einem den dummen Kopf unter der Wasserleitung beim Kotzen hält.
Und kotzen möchte man heutzutage leicht,
der Nachgeschmack bringts und hält den Schließmuskel geschlossen.
Wenigstens keine spontane Darmentleerung beim Urknall in der Birne.







XXXIII.


Minusmillionäre




Die alte Frau
mit den roten Augen.

Der Glattrasierte
mit kantigem Gesicht.

Die Frau mit den Locken,
die behauptet,
vier Kinder zu haben.

Ein türkisches Geschwisterpaar
und der Typ ,
der juristische Spitzfindigkeiten loswerden will–
alle Eventualitäten inklusive.

Eine Technomutter,
die von ihrem eigenen Laden überrollt wurde;
die dicke Schwäbin, welche nach Bayern ziehen mag – wieso,
nobody knows.

Die Hartz 4- Familie,
die sich durch den Schimmel
in ihrer Wohnung frisst.
Und einer,
der unentwegt sagt,
er würde die neuen Zahlen kennen,
aber man könne davon ausgehen,
dass er die genauen Zahlen nicht dabei habe,
aber…

Und dann doch wieder das türkische Geschwisterpaar.
Das Paar,
dem hier alles so peinlich ist.
Nie fragen sie etwas.
Nie sagen sie etaws.
Sind sie es?
Alle?

Die Minusmillionäre?







XXXIV.



Aphorismus

Yo te evoco, perdido en la vida,
y enredado en los hilos del humo,
frente a un grato recuerdo que fumo
y a esta negra porción de café.

Ich rufe dich an, verloren im Leben,
eingesponnen in meine Rauchfäden,
einer angenehmen Erinnerung gegenüber
und einer Tasse schwarzen Kaffee.







Mein Grabstein.
Er steht mitten in einem Theater.
Habe ich das Schlussbild selbst entworfen?

Lächelnd?

Aus einem raffiniert drapierten Laken ragt der todesschlanke Schädel wie ein Säuglingskopf aus dem imaginären Mutterschoß.
Wo der selbstgefällige Dreitagebart sitzt, prangen die Schamlippen.

Was für’n Witz.
Glaube an die Wiedergeburt?

Kiefer zahnlos und die Augen strahlen nach innen.
Mach dich auf im Smog deiner Stadt, erhebe dich!
Und ich laufe los, ich, der Schädel.
Im Fumifugium in den Straßen zwischen Kirche und Theater, Kneipe und Bordell, zwischen den Seiten der Bücher, in Staatsgeschäften und Kleiderschrank, zwischen Kanzel und Scheißhaus.
Nacht überall.
Würmer und Menschen,
die Engel und der Schlaf der Allerheiligen,
Gott in seinem Sarg,
der Teufel in Strapsen,
Staub auf der Kanzel und das Versmaß deliriert…

Hörst Du es?
Schädel?
Du bist es, der sinnentleert am Himmel hängt!

Finale Position.
Fumifugium.