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WSch 21. Juni 2019

Sie finden auf dieser Startseite meine "Provinznotizen". Da meine Hompage nicht ganz unkompliziert zu bearbeiten ist - Uraltmodell aus den Frühzeiten des Web -, kann das ursprünglich beabsichtigte regelnmäßge Einstellen von Texten nicht eingehalten werden. Außerdem will ich einen gewissen Hang zur Resignation nicht verhehlen. (Auch dies ein Grund, weshalb hier lange keine neuen Texte zu lesen waren). Den wenigen kritischen Kultur- und Medienschaffenden in diesem Lande steht ein ganzes Heer neoliberaler Mainstreambauchredner gegenüber. Unzählige Papageien, die tagtäglich die Stimmen ihrer Herren nachplappern, ohne sich auch nur den Funken eines Gedankens - geschweige einer kritischen Überlegung - über die verbreiteten Inhalte zu machen. Dabei werden diese immer haarsträubender, klaffen die offenen Widersprüche in vielen Meldungen und Nachrichten breit wie Scheunentore.

So breit, wie es zu einem Gesellschaftssystem passt, dass sich als Demokratie tarnt. Ich schreibe bewusst tarnt, denn mehr als eine bloße Hülle ist von vielen Artikeln unserer Verfassung kaum noch übrig. Stattdessen beherrscht - wie in vielen US-dominierten westlichen Ländern - die Gesellschaft eine Art neuer Feudalismus. Ein Feudalmismus der Reichen und Superreichen. "Ihr da oben, wir da unten" lautete mal der Titel eines Buches des verstorbenen Autors Bernt Engelmann. Heute müsste man ihn ergänzen durch das Wörtchen "ganz": "Wir da ganz unten".

Das so genannte Prekariat wächst und wächst. Die Mittelschicht kämpft verzweifelt gegen das Abrutschen in die präkeren Basisgebiete der Gesellschaftspyramide. Und ganz oben thront eine dünne elitäre Spitze, deren sich über Nacht und zusätzlich jeden Tag vermehrender Reichtum nur noch als obszön bezeichnet werden kann. Eine Schicht von Managern,Großaktionären und Privatanlegern, die ihr Vermögen nicht durch Arbeit, sondern im weltweit agierenden Casino des Turbo-Finanzkapitalismus erzockten.

Möglich ist dies allerdings nur - und da müsste sich der alte Opa Charly Marx im Grabe wenden - weil wir da "ganz unten" diese Herrschaften gewähren lassen. Offenbar sind wir ein Volk von Masochisten. Statt Solidarität mit unseren Nachbarn zu üben und gemeinsam zu brüllen "es reicht!", lassen wir uns stets aufs neue ein X für ein U vormachen, rufen "ja, Meister, mehr, noch mehr!", wenn sie die Daumenschrauben zudrehen.

Dabei bräuchten wir nur einmal genau hinzusehen, um die neuen Kaiser mit ihren aufgemalten Dollarzeichenkleidern so nackt zu erkennen, wie sie wirklich sind:

Als raffgierige Politiker, die entgegen ihrem Eid nicht "Schaden vom Volk abwenden", sondern den eigenen Nutzen und den ihrer Auftraggeber aus Industrie und Wirtschaft mehren;

als Mediennutten, denen nichts so gefährlich scheint, wie die Verbreitung der Wahrheit;

als bis ins Mark korrupte "Experten" und "Berater", die für's Wasserpredigen fürstlich bezahlt werden - nur um sich selbst im materiellen Luxus zu suhlen.

Im Vergleich zu deren Heerscharen sind es wenige, die gegen die um sich greifende Volksverdummung anzuschreiben versuchen. Kein Wunder, denn es ist eine Sisyphosarbeit. Aber es gibt sie, auch im deutschen Webspace, diese vereinzelten kritischen Stimmen. Albrecht Müller und Jens Berger mit den "Nachdenkseiten" etwa. Matthias Bröckers mit seinem Writersblog - und viele andere.

Ich werde versuchen, mich in diesen - immer noch viel zu dünnen - Chor kritischer Stimmen ab und an wieder einzusortieren. Nicht(mehr)regelmäßig. Aber zumindest gelegentlich.

Ältere Provinznotizen können Sie übrigens unter Text der Woche/Archiv nachlesen.

Längere Esssays zu verschiedenen Themen, die - je nach Zeitlage - in großen Zeitabständen wechseln, finden Sie in der entsprechenden Rubrik, bzw. ebenfalls in einem dazugehörigen Archiv.

Brandaktuelle Texte zu diversen Themen können Sie nachlesen unter http://www.ruhrstadt-netzwerk.de (Rundschau anklicken und Werner Schlegel in Suche eingeben).

Nachdruck und/oder die Übernahme von Texten auf andere Websites ist mit Quellenangabe und parallelem Hinweis an den Autor gestattet.



Kleines Plädoyer für Trump (Provinznotizen Nr. 90)

Es ist schon erstaunlich, wie sich Medien heutzutage von Regierungen benutzen lassen, ohne auch nur eine einzige kritische Frage zu stellen. Da wird der New York Times aus einer geheimen Sitzung im Weißen Haus gezielt "durchgesteckt", dass ein Vergeltungsangriff auf iranische Militäreinrichtungen in Vorbereitung war und dann in letzter Sekunde angeblich von Trump abgeblasen wurde. Praktisch ALLE deutschen LEIDmedien plappern diesen Stuss 1:1 nach.

Warum wurde diese Meldung wohl an die NYT gegeben? Weil eine Nichtreaktion der USA erstens als Schwäche ausgelegt wird und zweitens ein "ungeahndeter" US-Drohnenabschuss nicht nur den Iran zur Nachahmung herausfordern könnte. Also lässt man berichten, ein Angriff habe kurz bevor gestanden, sei dann aber (aus "Vernunftgründen"? gestoppt worden. Und gibt damit dem eigenen Präsidenten noch ganz nebenbei einen mit, von wegen: Unentschlossen! Wankelmütig!

Trump ist in erster Linie ein kapitalistischer amerikanischer Geschäftsmann, wie seine diversen "Deals" ständig belegen. Ein epresserischer zwar - aber das ist völlig normal im neo-liberalen kapitalistischen System. Aber als solcher ist er - im Gegensatz zu seinen Militär-Falken! - derzeit der einzige amerikanische Friedensgarant. Das bewies die causa Nordkorea und das zeigt sich beim Iran. Trump ist Friedesanhänger aus Geschäftsgründen. Denn Krieg ist zwar gut für Waffen(ver)käufe - aber der Gesamtwirtschaft ziemlich abträglich. Man sollte also dankbar für diesen Präsidenten sein, statt ihm dauernd ans Bein zu pinkeln… Beim smarten Obama oder der Falkenfrau Clinton hätte es wahrscheinlich längst geknallt. In Nordkorea und im Iran.

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Ölpreis-Pingpong oder Wo Iran und Israel Hand in Hand gehen (Provinznotizen Nr. 88)

"Pingpong-Eskalation am Golf" titelte die österreichische Zeitung "Die Presse" am 11. Juli. Gemeint waren die iranischen Raketentests der vergangenen Tage. Und die vorausgegangene israelische Drohung mit einem Militärschlag gegen die iranischen Atomanlagen.

Die kurzsichtige Interpretation, Iran und Israel schaukelten gegenseitig die Spannungen bis zur akuten Kriegsgefahr hoch, ist weit verbreitet. Vom konservativen bis zum alternativ-kritischen Medienlager.

Irans Präsident "bettelt um seinen 11. September" schrieb etwa Radio Utopie, eine der profiliertesten systemkritischen Sites im deutschen Netz, schon am 5. Juli (1). Aber ist das wirklich so?

Man könnte die Dinge auch anders beurteilen. Etwa durch die Fragestellung: Was bezwecken eigentlich beide Seiten mit ihrer Propagandaschlacht?

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Der Linksruck oder Plädoyer für Montagsdemos (Provinznotizen Nr. 87)

Nein, es geht und ging um keinen "Linksruck" (FAZ) oder "Linksrutsch" (SZ) der SPD. Kein linkes Gespenst geht um. In Europa nicht - und in Deutschland schon zweimal nicht. In der Geschichte dieses Landes existierte das Gespenst niemals wirklich. Da war stets diese gut bürgerliche, auf's "Hocharbeiten" versessene Emporkömmlings-SPD vor, vom "Bluthund Noske" bis zum "Kanzler der Bosse".

Das einzige - aber dafür unübersehbare - gespenstisch Anmutende, was in Europa und Deutschland umgeht, ist der "Terror der Ökonomie", vor dem Vivian Forrester schon 1996 vergeblich warnte: Das Unwesen eines außer Rand und Band geratenen und bis zur fratzenhaften Kenntlichmachung deregulierten Raubtierkapitalismus. Ein leider sehr reales Gespenst, dessen kalter Ökonomisierungshauch sämtliche Lebensäußerungen durchdringt und vergiftet. Eines, das selbst den Geist in Cent, Euro und Eigenkapitalrenditen verortet und allen zu verordnen sucht. >>>Weiter

Wahlergebnisse oder "Wer hat uns verraten..." (Provinznotizen Nr. 86)

Wer ein wenig Geschichtsbewusstsein hat, weiß, dass Willy Brandt und dessen Haltung "mehr Demokratie wagen" die große Ausnahme in der SPD war. Und auch er stellte letztlich nur die Antwort des bürgerlich-sozialdemokratischen Milieus auf die APO dar Er sollte diese einfangen, "umarmen und erdrücken" - was letztlich auch gelang. Dennoch sind Brandts Verdienste in Sachen Ost- und Friedenspolitik unbestritten. So unbestritten, wie die bürgerlich-konservative Grundströmung in der SPD, die sich immer dann in der Partei durchsetzte, wenn es um die Interessen des Kapitals ging. Das reicht von so verheerenden Entscheidungen wie der Zustimmung zu den Kriegskrediten 1914, über die Verweigerung des Generalstreiks gegen das Naziregime am 30. Januar 1933 (Aufruf von der KPD), bis zum unsäglichen "Radikalenerlass", am 28. Januar 1972. Das muss im Einzelnen nicht weiter ausgeführt werden, es genügt ein Blick in die Geschichtsbücher.

Auch die jungen kritischen Grünen wollte Hessens damaliger SPD-Ministerpräsident Börner zunächst lieber "mit der Dachlatte" behandelt sehen. Bevor er sie zum Machterhalt benötigte und damit einer Umweltpolitik die Tür öffnete, von deren Ergebnissen nicht nur der wieder blaue Himmel an der Ruhr bis heute profitiert. (Dass viele der grünen Kinder ihren Vätern heute ähnlicher geworden sind als sie selbst je glaubten, steht auf einem anderen Blatt). Wie auch immer, das Zitat "Wer hat uns verraten, Sozialdemokraten", war schon meinem Vater geläufig. >>>Weiter

Zeit schinden oder Lübeck lässt grüßen (Provinznotizen Nr. 85)

Nehmen Sie einmal an, übermorgen ereignete sich im deutschen Atomkraftwerk Biblis eine ähnliche Katastrophe, wie 1986 in Tschernobyl. Nein - sagen wir lieber im französischen Fessenheim. Die deutschen AKWs sind - von Krümel einmal abgesehen - schließlich "absolut sicher" (RWE) und die Belegschaften nicht so leichtsinnig wie in Tschernobyl oder Harrisburg/Pennsylvania (Beinahe-GAU bereits 1979). In Fessenheim also. Bei einer Wetterlage mit starkem Südwind, wie in diesem Winter schon öfter zu vermelden. Was glauben Sie, würde nun wohl im rund 200 Kilometer entfernten Ludwigshafen passieren?

Die Antwort ist einfach: Die Menschen dort wären vom radioaktiven Fallout verseucht, noch während sie in den Nachrichten die beruhigende Stimme ihres Landesvaters vernähmen: "Es gibt keinerlei Hinweise für eine Gefährdung unserer Bevölkerung". Und natürlich schlössen sich die Behörden dieser Meinung sofort an. Selbst wenn zwei kleine Mädchen fünf Stunden nach dem Super-Gau berichteten, sie hätten ziemlich viele tote Vögel vom Himmel fallen sehen. Das glauben Sie nicht? Hoffentlich müssen Sie nie die Probe aufs Exempel machen.

Natürlich ist das nur ein Beispiel. Aber exakt so reagierte der SPD-Vorsitzende und rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck angesichts des Wohnhausbrandes in Ludwigshafen. >>>Weiter

Die Verlierer oder Verhartzte Zeiten (Provinznotizen Nr. 84)

Roland Koch hat mit seinem ausländerfeindlichen Haudrauf-Wahlkampf 12 Prozent der CDU-Stimmen verloren. So etwas hätte man noch vor zehn Jahren in den Massenmedien als Debakel, Desaster oder absolute Katastrophe bezeichnet. Jetzt heißt es "Mit 0,1 Prozent gewann Roland Koch in Hessen die Landtagswahl" (1), "Trotz CDU-Mehrheit in Hessen: SPD will Ministerpräsidentin stellen" (2) und allenfalls: "Die Zitterpartie des Roland Koch" (3).
Davon, dass Christian Wulff in Niedersachsen mit seiner Elder-Statesmen-Attidüte der CDU ebenfalls noch ein sattes Minus von sechs Prozent bescherte, ist kaum die Rede. "Unangefochtener Wahlsieg für Christian Wulff in Niedersachsen" (4) oder "Sieg in Niedersachsen" (5) lautet stattdessen überwiegend der Tenor. Selbst die angeblich so systemkritische - in Wahrheit längst ins bürgerliche Lager integrierte - taz titelte: "Christian Wulff darf weiter lächeln"(6). Und nur stern.de nannte das Kind beim Namen und bezeichnete den Niedersachsen als den "strahlenden Verlierer" (7).

So ändern sich die Zeiten und vor allem: Die Blickwinkel. Ein Verlust von sechs Prozent für eine Partei wäre noch vor zehn Jahren als "Erdrutsch" bezeichnet worden. Inzwischen sind solche Niederlagen für das neoliberale Lager Siege - solange es damit an der Macht bleiben kann. >>>Weiter

Folter ist Folter oder Goebbels wäre stolz gewesen (Provinznotizen Nr. 62)

Was seit Monaten in zahlreichen Internetforen und auf den Websites von Kritikern der Brainwashingtoner Bush-Camarilla kritisiert wurde, ist jetzt endlich amtlich: Die CIA betreibt Menschenraub. Sie entführt nachweislich Unschuldige ebenso, wie angebliche "Terrorverdächtige", fliegt sie in Länder, in denen die Menschenrechte keinen Cent wert sind und unterwirft sie dort der Folter. Wie gesagt, nach monatelanger Diskussion und Information im Internet, hat diese Erkenntnis endlich auch die deutschen Medien erreicht.
Besonders das Hamburger Zerrspiegelblatt gefällt sich nun plötzlich als der Chefaufklärer der Nation. >>>Weiter

Museumsmedien oder Das rosa-rot-grüne Gespenst (Provinznotizen Nr. 61)

12.9.05 ARD, Tagesthemen. Nach der Fernsehdiskussion mit Fischer, Gysi, Merkel, Schröder, Stoiber und Westerwelle (in der Gysi genau dreimal zu Wort kam, davon einmal von Schröder abgewürgt) berichten die Tagesthemen über das "Wahlkampfduell". Es werden Ausschnitte von Schröder, Fischer, Merkel, Westerwelle, Stoiber, (je zweimal) gezeigt - Gysi kommt nicht vor, obwohl er die fundiertesten, sachlichsten und faktenbezogensten Beiträge überhaupt hatte.

Wer die Sendung vorher nicht sah und nur zu den "Tagesthemen" einschaltete, musste den Eindruck gewinnen, die "Linkspartei" sei überhaupt nicht vertreten gewesen. So etwas nennt sich dann hochstaplerisch "Nachrichtensendung". Dabei hat es noch nicht einmal mit scheinbar objektivem Journalismus etwas zu tun. Umso mehr dafür mit gezielter Zuschauermanipulation.

In den Printmedien geht das Spiel am nächsten Tag weiter. >>>Weiter

Münthorik II oder Das Märchen vom tapferen Fränzchen und dem bösen Erwachen (Provinznotizen Nr. 60)

Das tapfere Fränzchen erwachte jählings aus dem neoliberalen Dornhöschenschlaf und entdeckte, dass das soziale Marktwirtschaftsschloss von gar hässlichen Schlingpflanzen überwuchert und schier erdrückt wurde. Da vermehrten sich die neoliberalen Freiheitssprossen, dass es eine wahre Pracht war. Nur das Soziale war ein bisschen in Be- und Unterdrückung geraten.

Da fiel dem tapferen Fränzchen plötzlich ein, das anno domini des Maiens 2005 im rot-grün bewappneten nordrhein-westfälischen Dauerlehnslande eine Schicksalswahl anstünde, für Gerhard I., den König der Bosse. Denn bevor dieser Jahres darauf erneut in den deutschbänkischen Wolfsburger Gnadentrhonsaal gelangen konnte, musste er erst über die Peersche Steinbrücke hinweg. Dort aber lag der Hartzdrache auf der Lauer. >>>Weiter

Münthorik oder Ein bißchen Demokratie reicht (Provinznotizen Nr. 59)

"Zur Wirtschaft gehört Demokratie mit bei!". Diese Sternstunde sauerländischer Münthorik bescherte uns Fränzchen am 1. Mai 2004, auf irgendeiner der üblichen "Es-gibt-uns-noch-Gewerkschaftstrotzveranstaltungen". Dank des Rocktheaters N8schicht , das dieses zum Klassiker geeignete Müntefering-Zitat im Programm verwendet, wurde es einem breiteren Publikum jenseits der Gewerkschaftsgrauzonen bekannt. Es erntet stets tosendes Gelächter. Aber eigentlich müsste einem das Lachen dabei im Halse stecken bleiben. Fränzchens Sauerwortteig dient nämlich keineswegs - wie es im ersten Moment scheinen mag - der Haltbarmachung der Demokratie. Ganz im Gegenteil. >>>Weiter

Landschaftsgärtner oder Juristisch korrekt wählen (Provinznotizen Nr. 58)

Juristisch sei aber alles korrekt gewesen!, lautet die auf allen Medienkanälen dahergeplapperte Quasi-Entschuldigung für Herrn Meyer. Mal abgesehen davon, dass darüber das letzte Wort noch gar nicht gesprochen ist: Kaum ein Journalist stellt die wichtigste Frage, warum wohl RWE (oder VEW und wer auch immer) "politische Landschaftspflege" betreibt, sprich: Weshalb - wie weiland von Flick unselig - die Republik gekauft wird, in Gestalt ihrer geldgierig nimmersatten Politkaste. >>>Weiter

Infotrallala oder Chronik einer unangekündigten Katastrophe (Provinznotizen Nr. 57)

Am Dienstag, 7. Dezember 2004 gerät der unter malaiischer Flagge fahrende Frachter "Selendang Ayu" nach einem Maschinenausfall 40 Meilen nordwestlich von Dutch Harbor, Alaska, in Seenot. Bei stürmischem Wetter treibt er auf die Küste zu. Es besteht die Gefahr dass er auf Felsen aufläuft und zerbricht. Der Küstenwachkutter "Alex Haley" aus Kodiak nimmt mit voller Kraft Kurs auf den in Landsichtweite treibenden Havaristen. Dessen Trift kann nicht gestoppt werden. Der erste von der Besatzung ausgebrachte Anker bricht, Stunden später auch die von einem Schlepper angebrachte Trosse. In den deutschen Massenmedien, von Print über TV bis Hörfunk, beherrschen der CDU-Parteitag in Düsseldorf und Schröders Chinabesuch die Szene. >>>Weiter

Offener Briefwechsel
mit dem Chefdramaturgen des Bochumer Schauspielhauses
(an Stelle von Provinznotizen Nr. 56)

Sehr geehrter Herr Oberender,

Ihr Beitrag in der Frankfurter Rundschau vom 21.10.2004, dessen Quintessenz in etwa lautete: gewerkschaftlich organisierte Solidaritätsdemonstrationen sind "ein Großevent aus einer anderen Zeit", bedarf einer kleinen Erwiderung. >>>Weiter

Wahlabend oder Hoch lebe der Masochismus (Provinznotizen Nr. 55)

Manchmal verschlägt es einem nur noch die Sprache. Die SPD verliert in Brandenburg 7,3 Prozent und fällt in Sachsen auf ein einstelliges Ergebnis, nahezu gleichauf mit der NPD. Dennoch faselte Müntes Fränzchen auf nahezu sämtlichen TV-Kanälen was von einem "erfreulichen Tag" für die SPD. Entweder ist der Mann bekennender Masochist, was dem Seelenzustand weiter Teile seiner Partei durchaus entspräche oder er hält sämtliche Fernsehzuschauer für dumm. Aber vielleicht hatte er ja auch statt des Verlustes von über sieben Prozent (was im Journalismus noch vor einigen Jahren "Erdrutschniederlage" genannt worden wäre), einen in zweistelliger Höhe erwartet. >>>Weiter

Oradur-sur-Glane oder Eine notwendige Erinnerung (Provinznotizen Nr. 54)

Die schmale, leicht bergab führende Hauptstraße des kleinen Dörfchens ist dicht bevölkert. Frauen und Männer aller Altersgruppen, Pärchen, große und kleine Familien, ganze Schulklassen. Fast alle gehen mitten auf der Fahrbahn. Autoverkehr gibt es hier nicht, und der einspurigen Straßenbahnstrecke linkerhand sieht man sofort an, daß sie stillgelegt ist. Das muß niemand verwundern. >>>Weiter

Schreibtischtäter oder Folter ist Folter ist Folter (Provinznotizen Nr. 53)

Auch wenn es auf dieser Seite schon häufig kritisiert wurde: Es erstaunt einen doch immer wieder, mit welcher Chuzpe sich gestandene Journalisten in diesem Lande als professionelle Sprachregler und damit Inhaltsverharmloser betätigen. Als ein Beispiel von vielen sei hier Siegfried Buschschlüter zitiert, seines Zeichens (Brain)Washington-Korrespondent des Deutschlandsenders: Ob es sich "bei den Misshandlungen wirklich um Folter gehandelt" habe, müsse dahingestellt bleiben. Zu hören zur besten Magazinsendezeit nach 18 Uhr, in dieser Woche.

Überhaupt - "Misshandlung". Vom WDR, über die Neue Zürcher Zeitung, dem ZDF bis zu den Ruhr Nachrichten, alle haben plötzlich "vergessen", dass es ihm guten alten Duden für diese "Vorfälle" (NZZ) in den irakischen Gefängnissen einen eindeutigen Begriff gibt: Folter. "Vorfälle" übrigens, die bisher 25 Gefangenen den Tod, aber noch keinen der Täter vor Gericht brachten. >>>Weiter

Schattenmänner oder Im Herzen der Macht (Provinznotizen Nr. 52)

Condoleezza Rice, die US-Regierungsdame, bei deren Anblick man sich stets reflexartig fragt, wem nun wieder kondoliert werden müsste, zeigte sich einige Zeit vor ihrem Auftritt vor der 9/11-Kommission entrüstet: Ein Terroranschlag mit Flugzeugen sei "jenseits des Vorstellbaren" gewesen, hatte sie mehrfach öffentlich erklärt, um die vielen angeblichen Pannen und "not connected dots" im Vorfeld des 11.9.2001 zu begründen. "Pannen", die unter anderem darin bestanden, dass die US-Geheimdienste und das FBI zahlreiche Hinweise auf das bevorstehende Massaker erhalten hatten. Die waren - so die offizielle Version - "verschlampt" worden. Oder ihre Verfolgung wurde gezielt behindert, wie beispielsweise im Fall des Bin-Laden-Fahnders O'Neill. Dem hatte man bei den Ermittlungen so lange Knüppel zwischen die Beine geworfen, bis er entnervt das Handtuch warf. Zynische Ironie: O'Neill wurde am 1.9.2001 Sicherheitschef des WTC und kam dort bei den Attacken ums Leben. "Jenseits des Vorstellbaren" - das ist eine glatte Lüge. >>>Weiter

Cui bono? oder Putins Rezept (Provinznotizen Nr. 51)

Noch laufen in der Spanischen Hauptstadt Madrid die Rettungsmaßnahmen, noch steigt die Zahl der Toten und vor allem: Noch gibt es keine Bekennermeldung der ETA, die vom spanischen Innenministerium bereits der Tat verdächtigt wird. Und das wirft eine wichtige Frage auf, die jeder Krimileser kennt: Cui bono - wem nützt es? >>>Weiter

Freedom & democracy oder Des Kaisers neue Kleider (Provinznotizen Nr. 50)

Nicht, dass Haitis Ex-Staatschef Aristide (Motto: Vom Befreiungstheologen zum Diktator) besonders sympathisch wäre. Aber dass US-Truppen mehr oder weniger gewaltsam einen gewählten Staatschef aus dem Haus holen, ihn in ein Flugzeug verfrachten und ihm erst 20 Minuten vor der Landung überhaupt das Ziel "Zentralafrikanische Republik" verraten, nennt er mit Recht "eine Entführung" und "einen Putsch der USA".

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Surf-Tip: Wer über den Irakkrieg, bzw. die derzeitige US-Politik überhaupt, nicht nur gefilterte und dreimal propagandagewaschene Informationen von BILD, FAZ, SAT.1 und sonstigen Medien beziehen möchte, die sich hierzulande "frei" und "objektiv" schimpfen, dem/der sei dringend die Homepage des Kollegen Matthias Bröckers empfohlen: www.broeckers.com

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