Der goldene Drache
von Roland Schimmelpfennig
Regie:
Sibylle Broll-Pape
Ausstattung:
Trixy Royeck
mit:
Alexander Ritter
,
Katharina Brenner
,
Katrin Schmieg
,
Wolfram Boelzle
,
Arne Obermeyer
Der Ort: Der goldene Drache - ein Chinarestaurant irgendwo in Deutschland, tausende Kilometer weit weg von der Heimat. Die Personen: fünf asiatische Köche, einer davon mit Zahnschmerzen, zwei Stewardessen, eine davon mit Freund, ein Großvater, seine Enkelin und deren Liebhaber, eine Frau, die ihren Mann verlässt, ein Lebensmittelhändler, eine junge Chinesin. Und was hat die Geschichte von der Grille und der Ameise mit all diesen Leuten zu tun?
"Der goldene Drache" zeichnet ein lakonisches und beklemmendes Bild von Menschen, die in der Hoffnung auf Arbeit und Geld alles hinter sich gelassen haben. Losgerissen von den eigenen Wurzeln begegnen ihnen in dieser neuen Welt menschliche und soziale Abgründe. Roland Schimmelpfennigs Stück ist eine bitterböse Komödie über Ausbeutung und Erniedrigung in einer globalisierten Welt, die sich im Mikrokosmos eines Hauses widerspiegelt.
Nach „MEZ“, „Die arabische Nacht“ und „Push Up 1-3“ ist das die vierte Schimmelpfennig-Inszenierung am prinz regent theater. „Der goldene Drache“ wurde 2010 in der Kritikerumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ zum „Stück des Jahres“ gewählt. Ebenfalls 2010 wurde Schimmelpfennig für dieses Stück bei den Mülheimer Theatertagen als „Dramatiker des Jahres“ ausgezeichnet.
Pressestimmen:
"Der Zahn ist völlig verfault. Der kleine Chinese schreit vor Schmerzen in der winzigen Küche des Thai-China-Vietnam-Schnellrestaurants „Der goldene Drache“. Das könnte die Kunden verstören. Geld hat der Kranke so wenig wie gültige Papiere. Ein Zahnarzt kommt also nicht in Frage. Darum greift der ältere Kollege zur Rohrzange. Die Operation auf der kleinen quadratischen Plattform wird zur Pantomime, bei der sich fünf Schauspieler nach Kräften verrenken. Und dann fliegt der morsche Zahn durch die Luft, fliegt, fliegt, fliegt, während der Koch gerade in der Thai-Suppe rührt...
Was alltäglich anmutet, wird in Roland Schimmelpfennigs Stück „Der goldene Drache“ zum punktgenauen Stück über Ausbeutung von Flüchtlingen. Sibylle Broll-Pape inszeniert das vierte Werk des Dramatikers am Bochumer prinz regent theater. Der Autor hatte 2009 die Uraufführung am Wiener Burgtheater besorgt. Die Messlatte liegt hoch. Aber die freie Bühne meistert die Herausforderung souverän.
(...) Die fünf Darsteller spielen mit unglaublichem Elan eine Fülle von Personen. Wolfram Boelzle und Arne Obermeyer binden sich ein Tuch um den Hals und verwandeln sich in zwei Stewardessen, die im Restaurant Thai-Suppe bestellt haben. Katharina Brenner, die sonst so eifrig im Wok rührt, zieht einen schlabberigen Bademantel über und mutiert zum alten Ladenverkäufer. Katrin Schmieg streift schnell die Jacke ab und wird zum Mann im gestreiften Hemd, dem die Geliebte untreu wurde. Alexander Ritter stützt sich auf einen Stock als Greis, der wieder jung sein möchte. Männer sind Frauen, Junge sind Alte, weil hier eigentlich jeder sich in einen anderen Zustand wünscht. Das geht leichtfüßig und selbstverständlich, alles auf offener Bühne, und trotzdem funktioniert die spielerische Magie, die schon im Kindertheater Teppiche fliegen und Drachen sprechen lässt.
(...) Eingefügt sind märchenhafte Szenen aus der Fabel von der Grille (Ritter) und der Ameise (Brenner). Doch hier macht sich die Ameise zum Zuhälter ihres Mitinsekts, lässt andere Ameisen ran, bis das zerbrechliche Wesen kaputtgeht. Fantastische Momente fügen sich nahtlos ein.
Es unterhält großartig, wenn die Ameise kreischt, sie gebe nichts ab, wenn die Köche auf der kleinen Plattform umeinanderwuseln und Rezepte in allen Zutanen ausbuchstabieren, wenn zwei Frauen spielen, wie sie als Männer Treppen steigen. Und doch spürt man die Grausamkeit des Lebens unter unglücklich Liebenden und erst recht gegenüber den Fremden, die im fremden Land nicht ankommen dürfen."
Ralf Stiftel, Westfälischer Anzeiger
"„Das Schicksal meint es gut mit Dir“ – Glückskeks-Weisheiten stehen auf den Podesten im Prinz-Regent-Theater. Doch glücklich wird niemand in Roland Schimmelpfennigs Stück „Der goldene Drache“. Nicht die fünf asiatischen Köche im China-Thai-Vietnam-Schnellrestaurant, nicht die verschiedenen Bewohner im Haus darüber. Höchstens die Zuschauer, die am Mittwoch die Premiere von Sibylle Broll-Papes eindrucksvoller Inszenierung erlebten.
Es beginnt als Komödie. Temporeich. Das wird nicht so bleiben. Mit jedem der vielen Szenenwechsel wird es beklemmender, böser – aber nicht weniger unterhaltsam. (...) Viele kleine Geschichten blitzen auf, zu schnell, als dass man sich an Klischees stören würde. Erzählen von Menschen, die sich in frühere Zeiten wünschen: Als man noch jung war, geliebt wurde, nicht schwanger war. Und immer wieder die fünf Köche, von denen einer, der Kleine, Zahnschmerzen hat, unerträgliche. (...)
Noch bekommen die Zuhörer Hunger bei all den vielen Gerichten – scharf, mittelscharf, extrascharf. Dann landet der blutende Zahn des Chinesen in der Thai-Suppe. Immer schneller verschränken sich die beiden Ebenen Theater und Fabel, immer deutlicher wird Schimmelpfennigs Blick auf eine Gesellschaft, die nur an die eigenen Bedürfnisse denkt."
Ronny von Wangenheim, Ruhrnachrichten
Fotos: Birgit Hupfeld




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