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Dokumente und Fundstücke deutschen Lebens von 1900 bis 2005
Gesammelt und gestaltet von Wiltrud Betzler-Schellin



1989


1989


DFD - DEMOKRATISCHER FRAUENBUND DEUTSCHLANDS
ODER
SIGRID LAU RÄUMT DIE GRUPPENSACHEN WEG


Person: Sigrid Lau, sie war immer eine treibende Kraft im DFD
Ort: Koblentz, Kreis Pasewalk, Bezirk Neubrandenburg, DDR

Die Mauer offen, die Menschen strömten in den Westteil der Stadt. Wilde Begrüßungen, Umarmungen konnte man im Fernseher sehen. Selbst hier in ihrem kleinen Dorf spürte man die Veränderung, zumindest redeten die Menschen im Moment von fast nichts anderem mehr.
Einige Frauen aus der DFD wollten zusammen nach Berlin fahren und einfach das mal ausprobieren, die neue Reisefreiheit. All das ging Sigrid Lau so durch den Kopf, als sie im Kulturraum des Dorfes in dem alten Schrank kramte. Was kam da nicht so alles zum Vorschein: Ein gerahmtes Clara-Zetkin-Ehrenbanner und noch eins, andere Auszeichnungen für die vorbildliche Arbeit ihrer DFD-Gruppe. Ach ja und da fiel ihr doch ein, dieser Schrank hatte einmal Jurek Becker gehört, bevor er in den Westen ging, er hatte doch hier irgendwo ein Ferienhaus zum Schreiben außerhalb des Trubels in Berlin. Und sie griff die rote Fahne ihres Landes. Lange starrte sie darauf. War das das Ende ihres Landes?

Information I: Berliner Mauer

Berliner Mauer, von der DDR-Regierung mit Zustimmung der Mitglieder des Warschauer Pakts errichtetes, scharf bewachtes militärisches Sperrsystem, das unter der Bezeichnung "Antifaschistischer Schutzwall" seit dem 13. 8. 1961 die Sektorengrenze zwischen Berlin (Ost) und Berlin (West) bis auf sieben Übergänge (am bekanntesten Checkpoint Charlie) hermetisch abriegelte; sollte v.a. den steigenden Flüchtlingsstrom aus Berlin (Ost) stoppen. (....) Im Zusammenhang mit den politischen Umwälzungen in der DDR erzwangen die Menschen nach einer überraschenden Ankündigung durch den Pressesprecher des SED-Politbüros,
G. Schabowski, am späten Abend des 9. 11. 1989 die Öffnung der Berliner Mauer; ...

Aus: Der Brockhaus, multimedial 2003

Information II: Jurek Becker

Becker, Jurek, Schriftsteller, *Lódz 30. 9. 1937, †Berlin 14. 3. 1997; lebte nach 1945 in Berlin (Ost), ab 1977 in Berlin (West); schrieb tragisch-ironische Romane (»Jakob der Lügner«, 1969, verfilmt 1974; »Irreführung der Behörden«, 1973; »Der Boxer«, 1976; »Bronsteins Kinder«, 1986, verfilmt 1991; »Amanda herzlos«, 1992), in denen er die Nachwirkungen der Judenverfolgung und Lebensprobleme in der DDR thematisierte, und Drehbücher (u.a. »Liebling Kreuzberg«, TV-Serie 1986-90; »Neuner«, 1989, beide mit M. Krug in der Hauptrolle).

Aus: (c) Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, 2003


Information III: DFD

Demokratischer Frauenbund Deutschlands, Abkürzung DFD, am 8. 3. 1947 gegründete Massenorganisation für Frauen in der Sowjetischen Besatzungszone/DDR, bis 1989 von der SED gelenkt; ...

Aus: (c) Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, 2003



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1990



Diese Seite wurde zuerst erstellt am 22. 03. 2005
Zuletzt bearbeitet am 14. 10. 2007

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