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Dokumente und Fundstücke deutschen Lebens von 1900 bis 2005
Gesammelt und gestaltet von Wiltrud Betzler-Schellin



1972


1972


MESSE HINTER DEM "EISERNEN VORHANG"
ODER
RUDOLF RAIBLE MÖCHTE
MASCHINEN IN DEN OSTBLOCK VERKAUFEN


Person: Rudolf Raible, mein Vater
Ort: Leipzig, DDR

Rudolf Raible fuhr so oft wie möglich zur Leipziger Messe. Er mochte die Menschen dort, hatte auch inzwischen einen festen Bekanntenstamm aufgebaut, er mochte die Messe-Atmosphäre und die Bekannten mochten ihn, denn er war überaus großzügig. Dennoch war die Atmosphäre sehr verändert, die DDR spürte man als Westdeutscher immer und überall. Er konnte das beurteilen, er fuhr schließlich schon seit den 1930er Jahren zur Messe. Damals hatte er dann auch kleine Mokkatässchen aus Leipzig für seine Verlobte mitgebracht. Sein besonderes Ziel war natürlich der Verkauf von Schneepflügen und Schneefräsen, er wollte doch sehr gerne in das Geschäft mit dem Ostblock einsteigen, mit den Ländern, in denen jeden Winter Schnee lag. Hierfür nahm er die Grenzkontrollen am „Eisernen Vorhang“ ohne Murren in Kauf, diese Grenzkontrollen waren lästig und durchaus als schikanös zu bezeichnen.

Information I: Leipziger Messe

Aus dem Markttreiben entwickelte sich über Jahrhunderte die Messe in Leipzig, dort fand 1895 die erste Mustermesse statt, die die üblichen Warenmessen ersetzte. Nach der Machtübernahme durch die NSDAP fand eine "Schau rein deutscher Waren" statt, die "Braune Groß-Messe", Leipzig wurde zur "Reichsmessestadt" ernannt, dort gab es dann die einzige internationale Messe auf deutschem Boden. Während des 2. Weltkrieges wurde der Messebetrieb immer weniger, von 1943 bis 1945 fand keine Messe statt. Nach dem Krieg gewann Leipzig schnell seine Bedeutung als Messestadt zurück, der Ost-West-Handel wurde praktisch vollständig über Leipzig abgewickelt. Nach der Widervereinigung wurde 1991 die letzte "Universalmesse" abgehalten, heute finden dort viele verschiedene Spezialmessen statt.

Nach: www.leipziger-messe.de

Information II: Eiserner Vorhang

Eiserner Vorhang von Winston Churchill (von 1940 bis 1945 und von 1951 bis 1955 britischer Premierminister) 1946 geprägter bildhafter Ausdruck für die Grenzlinie zwischen den parlamentarischen Demokratien Westeuropas und den kommunistischen Staaten Osteuropas.

Aus: Meyers Neues Lexikon, 1979





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Diese Seite wurde zuerst erstellt am 22. 03. 2005
Zuletzt bearbeitet am 04. 03. 2007

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