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Dokumente und Fundstücke deutschen Lebens von 1900 bis 2005
Gesammelt und gestaltet von Wiltrud Betzler-Schellin



1967


1967


FAST SCHON EINE SPIONAGEKAMERA
ODER
DIETER SCHELLIN FÄHRT
MIT VATER, MUTTER UND FREUNDIN
IN DIE GETEILTE STADT BERLIN


Person: Dieter Schellin, mein zweiter Ehemann
Ort: Berlin

Berlin, die geteilte Stadt Berlin, ist immer eine Reise wert. Kreuz und Quer sind sie in Berlin unterwegs, in West-Berlin auf dem Kurfürstendamm promenieren, so ganz nebenbei einen Blick auf die Gedächtniskirche werfen, und dann in den Osten der Stadt fahren, schreckliche Grenzkontrollen erleben, dann endlich auf dem Alexanderplatz unterwegs sein, so ist sie die Großstadt, sehr vielfältig sind die Eindrücke. Dieter Schellin zückt überall seine winzige Kamera, erregt damit auch Aufsehen, so klein, wie sie ist, so dass man sie schon fast eine Spionagekamera nennen könnte, er macht viele Dias. Die Gebäude, die Straßen, alles wird fotografiert, natürlich werden auch die Eltern aufs Dia gebannt und besonders gerne macht er Aufnahmen von seiner Freundin.

Information I: Berlin

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges teilten die alliierten Mächte Berlin in 4 Sektoren: die Sowjetunion erhielt den Ostteil der Stadt, der größere Westteil fiel an die USA, Großbritannien und Frankreich. Am 28. 1. 1948 sperrten sowjetische Streitkräfte sämtliche Zufahrtsstraßen und Wasserwege zu den Westsektoren (>Blockade<); zu ihrer Versorgung errichteten die Westmächte eine >Luftbrücke<. Als die Blockade am 12. 5. 1949 aufgehoben wurde, war die Teilung der Stadt in einen Ost- und einen Westteil vollzogen. Die Entwicklung verschärfte sich mit der Gründung der beiden deutschen Staaten. Berlin (West) wurde völlig vom Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik umschlossen. Auf Grund der von den westlichen Besatzungsmächten betonten Viermächteverantwortung hatte Berlin (West) trotz seiner Zugehörigkeit zur Bundesrepublik Deutschland einen besonderen Status: Grundgesetz und Grundrechte galten nur als Bundesrecht, Bundesgesetze mussten vom Abgeordnetenhaus bestätigt werden, die Berliner Abgeordneten im Bundestag (Bonn) hatten nur ein beratendes Stimmrecht.
Die Deutsche Demokratische Republik baute Berlin (Ost) zu ihrer Hauptstadt aus. Parlament und Regierung hatten hier ihren Sitz. Mit dem Bau der Berliner Mauer, einem 45 km langen Sperrwerk mitten durch und um die Stadt, wurden 1961 noch bestehende Verbindungen zwischen beiden Hälften endgültig unterbunden. Berlin (West) befand sich seither in einer Insellage. Das Berlin-Abkommen von 1971, abgeschlossen zwischen den Westmächten (Frankreich, Großbritannien, USA) und der Sowjetunion, bestätigte die Verantwortung der vier Mächte für Berlin und regelte den Verkehr von und nach Berlin neu. Im Zuge der revolutionären Veränderungen in der Deutschen Demokratischen Republik fiel im November 1989 die Berliner Mauer. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands wurde Berlin am 3. 10. 1990 die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland.

Aus: Meyers Jugend Lexikon, 1991

Information II: Minox, "Geheim- oder Spionagekamera"

1936 wurde in Reval/Tallin, Estland die erste Minox (Format 6,5 x 9 mm) von Walter Zapp entwickelt, ihr Nachfolgemodell, die Rigaer Minox war eine Kleinstbildkamera mit 8 x 11 mm Filmformat. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde von Zapp und Richard Jürgens die Minox GmbH in Wetzlar gegründet. Mehrere Nachfolgemodelle wurden entwickelt.





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1968



Diese Seite wurde zuerst erstellt am 22. 03. 2005
Zuletzt bearbeitet am 24. 02. 2007

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