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Dokumente und Fundstücke deutschen Lebens von 1900 bis 2005
Gesammelt und gestaltet von Wiltrud Betzler-Schellin



1959


1959


FÜR FLÜCHTLINGE BLEIBEN VIELE WÜNSCHE OFFEN
ODER
ELISABETH BRUSS MUSS VON 156 DM IM MONAT LEBEN


Person: Elisabeth Bruss
Ort: Bramsche bei Osnabrück, Niedersachsen

Eingewiesen sein in ein Zimmer, da sie alles verloren hatte, von den Wohnungsinhabern nicht erwünscht, nur zwangsweise geduldet, behandelt zu werden wie eine Made im Speck, ja so waren die 50 Jahre für sie, für Elisabeth Bruss. Aber sie wollte niemand etwas wegnehmen, wollte nur wie all die Anderen leben. Für ihr Schicksal, die sie kaum etwas mitnehmen konnte am Ende des Krieges auf die Flucht, für die Demütigungen, die sie unterwegs erleiden musste, nein dafür gab es hier in der neuen Heimat kein Interesse. Aber immerhin hatte sie nun endlich einen neuen, höheren Bescheid, so dass sie von 156 DM im Monat leben konnte, nein musste. Viele Wünsche blieben offen, die Werbung versprach dies und das. Aber für einen beruflichen Neuanfang war sie einfach schon zu alt. Es gab auch zufriedene, ja glückliche Momente, ihre Tochter, ihr Schwiegersohn und ihr Enkel waren in ihrer Nähe. Und den Enkel aufwachsen zu sehen, das war ihr ganzer Stolz, er ging ja schon aufs Gymnasium.

Information: Elisabeth Bruss und ihre Tochter flohen am Ende des Krieges aus ihrer Heimat Greiffenberg, Pommern, in Ostseenähe. Greiffenberg gehört heute zu Polen. Die Frauen wurden in Bramsche bei Osnabrück auf einem Bauernhof einquartiert, Toilette im Stall, gekocht wurde im Zimmer. Aus der Gefangenschaft entlassen stieß auch 1946 der Schwiegersohn Gerhard Schellin zu ihnen. Für Elisabeth Bruss wurde ein anderes Zimmer gefunden. Später zog Familie Schellin, inzwischen mit Sohn Dieter, nach Osnabrück und die Großmutter wieder in das Zimmer.




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1960



Diese Seite wurde zuerst erstellt am 22. 03. 2005
Zuletzt bearbeitet am 25. 02. 2007

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