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Dokumente und Fundstücke deutschen Lebens von 1900 bis 2005
Gesammelt und gestaltet von Wiltrud Betzler-Schellin



1948


1948


DIE ENTNAZIFIZIERUNG
ODER
RUDOLF RAIBLE MUSS ALS MITLÄUFER
EINE GELDSÜHNE VON 300 RM ZAHLEN


Person: Rudolf Raible (2.5.1912 – 6.2.1974),
später verheiratet mit Eugenie Raible, geborene Prothiva (26.4.1914 – 15.1.2001),
Heirat am 18.8.1939
Rudolf Raible ist mein Vater
Ort: Stuttgart-Wangen, Württemberg-Baden (US-Zone)

Rudolf Raible hat schwere Zeiten hinter sich, er konnte in den letzten Jahren nicht in seinem geliebten Beruf als Konstrukteur arbeiten, wie so viele andere Menschen. Vorgeworfen wird ihnen die Mittäterschaft in der NS-Zeit. Er kann zwar bei einem bekannten Konstrukteur etwas für den Lebensunterhalt verdienen, ist aber dennoch sehr, sehr unzufrieden. Außerdem wohnen in seiner Wohnung noch immer andere Personen, die im Krieg ausgebombt worden sind und keine eigene Wohnung haben, seine Verwandten, aber die Reibereien kann er nicht länger aushalten. Da bekommt er endlich wieder eine richtige Arbeitserlaubnis, da ihm vom Ministerium für politische Befreiung bestätigt wird, dass er nur ein "Mitläufer" war. Die damit verbundene Geldsühne kann er akzeptieren, aber er möchte vor seinem Gewissen gerne ganz ohne Mitschuld dastehen. Dennoch das gute Gefühl überwiegt und so kann er sich sogar wieder an seiner Frau und seinem kleinen Sohn erfreuen.

 Information I:      Der Oberbürgermeister schreibt am 28.11.1945 an die Firma Stihl:
Auf Befehl der U.S. Militärregierung habe ich Ihnen mitzuteilen, dass es den nachstehenden Betriebsangehörigen mit sofortiger Wirkung nicht mehr gestattet ist, in Ihrer Firma tätig zu sein: Rudolf Raible.
Ich bitte Sie, hiervon Kenntnis zu nehmen und die Genannten zu unterrichten.

Im Auftrag
Dr. Fischer

Information II:          Das Ministerium für politische Befreiung, Baden-Württemberg schickt am 17.2.1948 den Sühnebescheid auf Grund des Gesetzes zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus vom 5.3.1946:

1.   Sie werden gem. Art. 12 des Gesetzes in die Gruppe der Mitläufer eingereiht.
2.   Es wird gegen Sie eine Geldsühne in Höhe von 300,- Reichsmark festgesetzt.



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Diese Seite wurde zuerst erstellt am 22. 03. 2005
Zuletzt bearbeitet am 05. 06. 2005

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