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Dokumente und Fundstücke deutschen Lebens von 1900 bis 2005
Gesammelt und gestaltet von Wiltrud Betzler-Schellin



1947


1947


EINE DEUTSCHE FRAU WIRD AMERIKANISIERT:
FRIEDA, FRIDA, FREDA
ODER
MARIA PROTHIVA ERHÄLT POST AUS DEN USA


Person: Maria Prothiva (11.4.1886 28.2.1956),
Maria Prothiva ist die Schwester meines Großvaters Eugen Prothiva (29.9.1883 10.3.1956) mütterlicherseits
Ort: Bad Cannstatt, Württemberg-Baden, (US-Zone)

Maria Prothiva bekommt wieder einmal Post aus Amerika. Diese Weihnachtskarten sind doch ungewöhnlich, typisch amerikanisch. Maria Prothiva freut sich jedes Mal sehr, wenn von ihrer Freundin Frieda Leinweber, auch Jahre nach der Emigration, immer noch Post kommt. Sie denkt an ihre Freundin. Wie es ihr wohl geht? Sicher besser als ihr! Ihre eigene Situation hat sich in den letztem Kriegsjahren doch sehr verschlechtert, zuerst wurde ihr Laden ausgebombt, und dann auch noch das Haus, in dem sie ihre Wohnung hatte, so dass sie bei der Familie ihres Bruders unterschlüpfen musste. Nun hat sie wieder eine kleine Wohnung und hat dort erneut mit dem Verkauf von Rauchwaren, Bonbons und Schokolade begonnen. Und das mit 60! Von irgend etwas muss man ja leben! So hat sie häufig keine Kraft mehr, ihrer Freundin zu schreiben. Aber heute will sie schreiben, nimmt alte Briefe in die Hand. Was ist das? Der Vorname ihrer Freundin hat sich ja immer mehr verändert, wirkt immer mehr amerikanisch: Frieda, Frida, Freda.



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1948



Diese Seite wurde zuerst erstellt am 22. 03. 2005
Zuletzt bearbeitet am 29. 05. 2005

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