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Dokumente und Fundstücke deutschen Lebens von 1900 bis 2005
Gesammelt und gestaltet von Wiltrud Betzler-Schellin



1946


1946


IN UNIFORM VOM LAZARETT
IN DIE ZERSTÖRTE HEIMAT
ODER
JOSEF SIEKER BENÖTIGT INNERHALB EINES MONATS
EINEN ZIVILANZUG


Person: Josef Sieker
Josef Sieker ist mir als Person nicht bekannt, sein SS-Soldbuch habe ich aus dem Nachlass von Gerhard Schellin (30.10.1916 – 30.1.1987), Josef Sieker soll in derselben Firma wie Gerhard Schellin in Osnabrück gearbeitet haben,
Gerhard Schellin ist der Vater von Dieter Schellin (4.1.1947 – 30.6.2002), meinem 2. Ehemann
Ort: Osnabrück, Provinz Hannover des Freistaates Preußen

Die letzten Tage waren schwere Tage. Josef Sieker hatte sich mühsam bis in seine Heimatstadt Osnabrück durchgeschlagen, unterwegs hatte er nur Leid gesehen, zerstörte Brücken, Häuser ohne Dächer, oder sogar nur noch Steinhaufen statt Häuser, Menschen auf der Suche, ja nach was, manche suchten letzte Habseligkeiten, andere suchten ihre Familienangehörigen und wieder andere suchten nach Essbarem. Josef Sieker hatte Glück, er traf Bekannte auf der Straße und konnte so den Aufenthaltsort seiner Mutter schon am ersten Tag nach seiner Ankunft in seiner Heimatstadt ermitteln. Von der britischen Militärbehörde wurde er zusätzlich in das Zimmer eingewiesen. Aber eines machte ihm im Moment aller- größte Sorgen, er hatte nur noch drei Wochen Zeit, bis zum 8.8. musste er seine Uniform abliefern. Eigentlich fast unmöglich, auf dem Schwarzmarkt war ein Anzug zu teuer für ihn, in Geschäften, sofern es überhaupt Geschäfte gab, konnte man fast nichts kaufen, schon gar keinen Anzug.



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1947



Diese Seite wurde zuerst erstellt am 22. 03. 2005
Zuletzt bearbeitet am 16. 04. 2005

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