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Dokumente und Fundstücke deutschen Lebens von 1900 bis 2005
Gesammelt und gestaltet von Wiltrud Betzler-Schellin



1936


1936


DER BENÖTIGTE ARIERNACHWEIS BRINGT ES AN DEN
TAG
ODER
GERHARD SCHELLIN HAT EINEN UNEHELICH
GEBORENEN VATER


Person: Gerhard Herbert Herman Schellin (2.2.1914 – 27.9.1983),
später verheiratet mit Dorothea Elisabeth Anna Schellin, geborene Bruß (30.10.1916 – 30.1.1987),
Heirat am 5.11.1939,
Gerhard Schellin ist der Vater von Dieter Schellin (4.1.1947 – 30.6.2002)
Dieter Schellin ist mein 2. Ehemann
Ort: Greifenberg, Hinterpommern, Pommern ist eine Provinz des Freistaates Preußen

Gerhard Schellin benötigt wie alle Deutschen den Ariernachweis, muss einen Ahnenpass führen um nicht Schikanen ausgesetzt zu werden. Er schreibt schon seit einem Jahr verschiedene Standesämter an, kommt aber nicht an alle benötigten Unterlagen heran. Deshalb muss er nun auch Kirchenämter anschreiben, da in den Kirchenbüchern Geburts-, Tauf- und Sterbedaten seit Jahrhunderten festgehalten werden. Dabei taucht eine Überraschung auf, sein Vater Herman Gustav Robert Schellin ist unehelich geboren, der Großvater unbekannt, nicht verstorben, wie er seither gedacht hatte. Er kann also diese Linie väterlicherseits nicht nachweisen. Ob ihm das wohl noch Schwierigkeiten bringen wird?

 Information I:   Name, Begriff und Methode des Ahnenpasses überhaupt wurden 1933/34 vom Reichsverband der Standesbeamten e.V. geschaffen.

Information II:  Dieser Ahnenpass ist begutachtet von der Reichsstelle für Sippenforschung im Reichsministerium des Innern und von vielen Dienststellen der NSDAP zum Dienstgebrauch empfohlen. Er ist nur für Deutschblütige bestimmt. Mischlinge und Fremdrassige erhalten Eintragungen in diesen Ahnenpass bei den Standesämtern nicht beglaubigt.
Aus: Ahnenpass

Information III: Nürnberger Rassegesetz vom 15.9.1935
Durchdrungen von der Erkenntnis, dass die Reinheit des Blutes die Voraussetzung für den Fortbestand des deutschen Volkes ist ... hat der Reichstag einstimmig das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird.
§ 1 Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes sind verboten. Trotzdem geschlossene Ehen sind nichtig, auch wenn sie zur Umgehung dieses Gesetzes im Ausland geschlossen sind.
§ 2 Außerehelicher Verkehr zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes sind verboten.
§ 5 1. Wer dem Verbot des § 1 zuwiderhandelt, wird mit Zuchthaus bestraft.
Aus: Weltgeschichte in einem Griff, 1979



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1937



Diese Seite wurde zuerst erstellt am 22. 03. 2005
Zuletzt bearbeitet am 09. 04. 2005

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