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Dokumente und Fundstücke deutschen Lebens von 1900 bis 2005
Gesammelt und gestaltet von Wiltrud Betzler-Schellin



1913


1913


LEBEN OHNE KÖNIG!
ODER
JOSEFINE SELDELMAIER
LIEST DIE "ZÜRICHER NOVELLEN"


Person: Josephine Sedelmaier
Ort: München, Königreich Bayern

Noch immer hatte sich ihre Tochter nicht an München gewöhnt, sie hing für ihr Alter doch zu sehr an ihrer Mutter und an ihrer Großmutter. Nur in der Schule war es wohl etwas leichter für sie geworden. Am heutigen Samstag hatte Josephine den erst 1911 neu eröffneten Tierpark Hellabrunn mit Maria besucht und am Abend weiter aus den Züricher Novellen vorgelesen. Irgendwie berührten diese Novellen sie sehr, sie konnte es nicht in Worte fassen, was es war, waren es die Vorkommnisse über Liebe und Leid, oder über den Freiheitsdrang der Züricher, das Leben ohne Herzöge und Könige. Sie hatte bis jetzt immer in Staaten mit Monarchie gelebt, in Bayern und in Österreich-Ungarn. Sie kam ins Grübeln, aber hier wie dort und auch ebenfalls in der Schweiz durften Frauen nicht wählen. Doch es gab inzwischen Frauen, die dies einforderten!

Information: Gottfried Keller, Züricher Novellen
Cotta´sche Buchhandlung Nachfolger
Stuttgart und Berlin, 1913

Information II: Gottfried Keller

Keller, Gottfried, geb.1819 in Zürich als Sohn eines Drechslermeisters. Infolge Verweisung von der kantonalen Industrieschule 1834 von der höheren Bildung ausgeschlossen, Autodidakt. 1840 nach München. Der Plan, Maler zu werden, scheitert an der Erkenntnis der eigenen Unzulänglichkeit. 1842 Rückkehr nach Zürich, Wendung zum Schriftstellerberuf. Nach Erscheinen der Gedichte (1846) Stipendium der Stadt Zürich zur Ausbildung in Deutschland. 1848 Heidelberg, Einfluss Feuerbachs. 1850-1855 Berlin, dann Rückkehr nach Zürich. 1861-1876 Staatsschreiber von Zürich. Gest. 1890 in Zürich.

Aus: Frenzel, Daten deutscher Dichtung, Band II, 1966

Information III: Züricher Novellen

Enthält: Hadlaub, Der Narr auf Manegg, Der Landvogt von Greifensee. Die drei Novellen, durch einen Rahmen zusammengefasst: einem jungen Züricher, der ein Original sein möchte, wird an drei Schicksalen demonstriert, was ein wirkliches, was ein falsches Original ist.

Aus: Frenzel, Daten deutscher Dichtung, Band II, 1966



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Diese Seite wurde zuerst erstellt am 22. 03. 2005
Zuletzt bearbeitet am 24. 02. 2007

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