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VERANSTALTUNGEN

Freitag, 24.09.2021 | 14:00 Uhr | Berlin
Ausstellung,Bildende Kunst


© 2021 / © Abi Tariq
M-bodi-ment-A

Beschreibung
Die Gruppenausstellung »M-bodi-ment-A« versammelt Arbeiten von Künstler*innen mit einer embodiment-betonten Kunstpraxis. Embodiment ist ein Begriff aus den Kognitionswissenschaften, der die sensomotorische Koordination des physischen Körpers und seiner Umgebung in seiner Gesamtheit erforscht. Aktuell wird Embodiment zunehmend auch im Tanz und in der Bewegungstherapie eingesetzt. Die Ausstellung »M-bodi-ment-A« präsentiert nun künstlerische Arbeiten, die in verschiedenen Medien Verkörperung und ihre ganzheitliche Präsenz vermitteln.

Im Ausstellungsraum treten Arbeiten in einen Dialog, die aus körperlichen Gesten, aus der Unmittelbarkeit, der Intuition und dem Moment des Sich-als-Ganzes-Einbringens heraus geboren wurden. Dabei wird der Körper nicht als Vehikel oder als Material eingesetzt. Die ausgestellten Arbeiten sprechen vielmehr direkt durch ihre Präsenz zu ihren Betrachter*innen, ohne konzeptuelle Referenzen oder Codes. In ihnen manifestiert sich die Einheit von Künstler*in, körperlich-künstlerischem Schaffensprozess und Ausdruck – sei es in Form einer Zeichnung, Malerei, einem Wandteppich, einem musikalischen Werk, einem Video oder einer raumgreifenden Installation.

»M-bodi-ment-A« spannt einen Generationsbogen von der 2007 verstorbenen Noa Eshkol bis zu dem 1990 geboren Abi Tariq. Ebenso divers sind auch ihre künstlerische Ausbildung und Arbeitsweise. Die Ausstellung wird kuratiert von Andrea Morein.

Claudia Larissa Artz (*1969, Bad Nauheim) arbeitet mehrere Schichten aus Pigmenten, die sie selbst herstellt, in die Leinwand ein. Die Spuren dieses langsamen Prozesses betonen die Textur und Haptik der Oberfläche. Durch das Setzen von Linien definiert sie geometrische Formen im Bildraum und verbindet damit die Eigenschaften der Leinwand mit abstrakter Räumlichkeit. Der trockene Farbauftrag, der ihren Duktus deutlich hervortreten lässt, vereint diese räumlichen Konstruktionen mit der Körperlichkeit und Zeitlichkeit ihrer künstlerischen Geste. Die Künstlerin befasst sich mit Konzepten wie dem japanischen »Mono No Aware«, das mit »Pathos der Dinge« übersetzt wird und eine Ästhetik der Vergänglichkeit beschreibt.

Arnold Dreyblatt (*1953, New York) gehört zur zweiten Generation von Komponisten der Minimal Music, die sich im New York der späten 1970er Jahre ausbildete. Er beschäftigt sich in seinen Arbeiten unter anderem mit Formen und Prozessen der Erinnerungskultur und ist bekannt für seine medialen Transformationen von Geschichte. Seine Arbeit »Repertoire« (2017) ist eine minimalistische Soundkomposition, bei der der Künstler die immer gleiche Note auf einem Kontrabass spielt. Das sich monoton wiederholende Streichen verwandelt sich über einen langen Zeitraum hinweg in ein Universum minimaler Klangnuancen, die aus dem Zusammenspiel des Instruments als Klangkörper und der Streichbewegungen des Künstlers entstehen.

Noa Eshkol (1924, Kibbutz Degania – 2007, Cholon, IL) war eine Bewegungsforscherin, Choreografin und Künstlerin. Gemeinsam mit dem Architekten Avraham Wachmann entwickelte sie in den 1950er Jahren ein auf Geometrie beruhendes, abstraktes Notationssystem für Bewegungen, das zugleich ein grundlegendes Instrument für die choreografische Arbeit mit ihrer Tanzkompanie war. 1972 begann Eshkol ihren umfassenden Werkkomplex der Wandteppiche. Es handelt sich dabei um Kombinationen gefundener Stoffstücke, die sie in Schichten auf einem Trägermaterial befestigte. Ihre Tänzer*innen fixierten die Entwürfe später mit Kreuzstichen, was zu einer fortlaufenden Aktivität in der Eshkol Foundation wurde. Die Textilreste, die häufig von Kleidung stammten, beschrieb Eshkol als »Negativformen« von Körpern, die als »Positivformen« zu neuen, geometrischen Kompositionen zusammengefügt werden. Ihr Arbeitsprozess folgt dabei »No Rules, No Theory – Only Passion« – wie Eshkol titelgebend in einem Text zu den Wandteppichen formulierte.

Andrea Morein (*1950, Wien, Mitglied des Deutschen Künstlerbundes) hat ihren künstlerischen Ursprung in der Regie und im Ausdruckstanz. In ihrer Studienzeit nahm sie am Bewegungsunterricht von Noa Eshkol teil. Als bildende Künstlerin untersucht sie Formen von Bewegung und Raumwahrnehmung in Verbindung mit Fragen nach Erinnerung und Historizität. In ihren Videos, Installationen, Fotografien und Zeichnungen, aber auch als Kuratorin der Ausstellung »M-bodi-ment-A« stellt sie die Frage, was eine Embodiment-betonte Kunstpraxis sein könnte. Im Rahmen der Ausstellung zeigt sie unter anderem überarbeitete Fotografien von Performances aus dem Jahr 1987, die sich mit Gestalt, mit menschlicher Präsenz und einer verkörperten Form von Historizität beschäftigen.

Ohad Naharin (*1952, Kibbutz Mizra, IL) ist Tänzer und Haus-Choreograf der Batsheva Dance Company, deren künstlerischer Leiter er bis 2018 war. Er entwickelte die Bewegungssprache Gaga, die die Empfindung und Sensibilität für innere Prozesse als Ausgangspunkt für körperliches Bewusstsein schult. Es ist die Grundlage für seine Zusammenarbeit mit den Tänzer*innen der Batsheva Dance Company, die in der Probenarbeit in ihre Körper hineinhören, sie erforschen, improvisieren und damit ihre Bewegungsmuster hinterfragen. Die Ausstellung präsentiert
ein Video, in dem Naharin diesen Ansatz in Bezug auf sein Stück MAX (2007) vermittelt.

Abi Tariq (*1990, Karatschi, PK) erkundet Möglichkeiten, durch Performance hierarchische Strukturen aufzuzeigen oder zu verschieben. Tariqs Performances nehmen Bezug auf verschiedene räumliche Situationen wie den öffentlichen Raum von Paris oder private Wohnräume und reflektieren deren Verhältnis zu Sprache, Kultur und Macht. In der Videoarbeit »Into ~ Balance« (2015/2020) erkundet Tariq mit ruhigen, ausbalancierten Körperbewegungen das Verhältnis der Silhouette zum farblich wechselnden Videoraum. Dabei entwickelt sich die Körperform hin zu einer ornamentalen Abstraktion, die sich visuell ebenso wie akustisch mit dem ruhig dahinfließenden Sound überlagert.

Ulrich Werner (*1949, Fockbek bei Rendsburg) interessiert sich als Zeichner und Maler für Strukturen aus abstrahierten Bildern der Naturwissenschaften, wie Astrologie und Neurologie sowie aus der unmittelbar wahrnehmbaren Natur, wie Gesteinsformationen, Wasser oder pflanzlichen Formen. Bei diesen Erforschungen der Natur steht nicht die Wiedergabe des Gegenstandes im Vordergrund, sondern ein zeichnerisches Ertasten in Annäherung an ein erinnertes körperliches Erleben. Im Rahmen der Ausstellung präsentiert er zwei seiner Zeichnungen.

Carola Willbrand (*1952, Köln, Mitglied des Deutschen Künstlerbundes) kreiert textile Werke aus Kleidungsstücken
verschiedener Personen aus ihrer Verwandtschaft. Diese Objekte trägt sie in ihren Performances selbst und erschafft damit eine Art verkörperte Familiengeschichte. Daneben fertigt sie Künstlerinnenbücher, die als Flechtwerk aus mit der Nähmaschine genähten »gefundenen«, assoziativen Texten zu ihrer »FadenPhilosophie« mit Zeichnungen, mit Raum und Körperwelten in Kontakt treten. Carola Willbrand ist auch Gründungsmitglied des Performance-Netzwerks PAErsche.

Reiko Yamaguchi (*1982, Okayama, JP) studiert menschliche Bewegungen und entwickelt daraus Installationen, fotografische Arbeiten und Zeichnungen, die das Erleben von körperlicher Dynamik und ihre Spuren in visuelle und räumliche Systeme übersetzen. Als Teil der Ausstellung zeigt sie eine ortsspezifische, raumgreifende Installation aus gespannten Fäden, die zur Betrachtung aus verschiedenen Blickachsen und so zur Bewegung im Raum einlädt.

Vernissage:
Donnerstag, 16.09.2021, 19 Uhr

Reguläre Öffnungszeiten:
Dienstag – Freitag, 14 – 18 Uhr u. n. Vereinbarung

Sonderöffnungszeiten während der Berlin Art Week:
Freitag, 17.09.2021, 11 bis 19 Uhr
Samstag, 18.09.2021, 11 bis 19 Uhr

Besuch der Ausstellung und Eröffnung:
Es gelten die aktuellen Abstands- und Hygieneregeln des Landes Berlin.

Weitere Informationen: www.kuenstlerbund.de