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VERANSTALTUNGEN

Mittwoch, 04.09.2019 | 20:00 Uhr | Gummersbach

Unterwerfung
Werkinfo
Nach "Soumission" von Michel Houllebecq, aus dem Französischen von Norma Cassau und Bernd Wilczek, DuMont Buchverlag Köln

Inhalt
Frankreich im Jahr 2022. Das Land steht vor gewaltigen Umwälzungen. Bei den Präsidentschaftswahlen konkurrieren in der Stichwahl die Kandidaten des Front National und der Muslim-Bruderschaft. In den Städten brodelt der Volkszorn, die Konflikte werden mit aller Gewalt ausgetragen, das Land befindet sich am Rande eines Bürgerkriegs.

Der Literaturwissenschaftler François verfolgt die Geschehnisse eher am Rande. Er ist ein von den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen desillusionierter Akademiker, der sich nur noch um seine Forschungen und die wechselnden Beziehungen zu seinen Studentinnen kümmert.

Um den Sieg der Rechtsradikalen zu verhindern, wenden sich die Sozialisten dem charismatischen Führer der Muslim-Bruderschaft Mohammed Ben Abbes zu und verhelfen ihm zum Sieg. In der Folge wird die Verfassung geändert, die Theokratie eingeführt, die Scharia, das Patriarchat und die Polygamie. Schon bald zeigen die Veränderungen Wirkung, die Kriminalitätsrate und die Arbeitslosigkeit sinken, das gesellschaftliche Klima beruhigt sich. Es zeigt sich, dass, entgegen aller Horrorszenarien, die neue Regierung auch der bürgerlichen Mitte längst verloren geglaubte Werte bieten kann.

Teil der Umwälzungen ist das Bedürfnis, das Bildungsniveau zu steigern. So bekommt François eine neue, sehr attraktive Stelle angeboten. Wenn er zum Islam konvertiert, werden ihm Forschungsprojekte ermöglicht, sein Gehalt erhöht, alle Wünsche erfüllt. Er steht vor der Frage, ob das der Beginn eines neuen positiven Lebensabschnitt ist oder die Unterwerfung unter ein System, das seinen imaginierten Überzeugungen diametral entgegengesetzt ist.

Mit seinem Roman „Unterwerfung“ hat Michel Houllebecq die visionärste Zuspitzung der gesellschaftlichen Entwicklung in Europa unserer Zeit vorgelegt, die ein Schriftsteller in den letzten Jahren entworfen hat. Er entwickelt satirisch und phantasievoll ein Szenarium, das den Spagat schafft zwischen dem Beängstigendem und dem Vorstellbaren und wird dabei mit rasenden Schritten von der Realität eingeholt.


Michel Houellebecq (geb. 1956) ist einer der am kontroversesten diskutierten Autoren unserer Zeit. Mit seinen Romanen Ausweitung der Kampfzone und Elementarteilchen, die beide mit internationalen Stars verfilmt wurden, erlangte er weltweit Berühmtheit. Plattform und Die Möglichkeit einer Insel wurden vielfach ausgezeichnet. Die Veröffentlichung des inzwischen erfolgreichsten europäischen Romans des Jahres 2015 erfolgte am selben Tag, an dem der Anschlag auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo ereignete. In der Folge distanzierte sich Houellebecq von jeder islamophoben Interpretation seines Werkes.

Besetzung:
M1 - Maximilian von Ulardt
François / Steve / Marie-Françoise / Godefroy Lempereur

M2 - Mario Thomanek
François

M3 -
François / Ein Schwarzer / David Pujadas / Alain Tanneur / Burghard Braun
Robert Rediger

F - Franziska Ferrari
François / Aurélie / Myriam / Frau im Hotel / Manuel Valls /
Regierungssprecherin / Bastien Lacoue / Aïcha / Malika

Inszenierung - Gert Becker
Ausstattung - Elke König
Dramaturgie - Christian Scholze
Regieassistenz / Abendspielleitung - Mike Kühne
„Regisseur Gert Becker, der jede Festlegung auf eine der Deutungs-Optionen Vision oder Satire vermeidet, löst die Monolog-Form […] bravourös auf. Um alle Facetten des Protagonisten aufzuzeigen, gibt es den Literaturprofessor vier Mal, wobei Maximilian von Ulardt, Franziska Ferrari und der überragende Burghard Braun auch die Parts bedeutender oder nachrangiger Nebenfiguren übernehmen. Die einfallsreiche, nie in Slapstick abgleitende Personenführung auf dem Sofa ist ein Erlebnis für sich. Vor allem aber ist es ein Abend der Sprache und der ungeheuren Sprechkunst eines großartigen Ensembles. Einen solchen Premierenbeifall hat das WLT lange nicht erlebt.“
WAZ, Wolfgang Platzeck

„Gert Beckers Textversion […] drängt uns keine Lesart auf, wahrt Vielschichtigkeit und Ambivalenz des Buches und bietet auch Nichtlesern einen guten Einblick in Houellebecqs Stil und Gedanken, wie die Premiere am Samstag deutlich machte. […] Sprachlich legt das Quartett eine saubere Leistung hin: hellwach, akzentuiert, mit Tempo bringen sie den Sarkasmus schön gewitzt zum Klingen. In Spiel und Mimik legen sie noch eine Schippe Comedy drauf. […] Viel, viel Beifall.“
Ruhr Nachrichten, Kai-Uwe Brinkmann

„Einzige Kulisse ist ein überdimensionales rotes Sofa. Hier spielt man sitzend, liegend, stehend, mit großem körperlichem Einsatz über die fast zwei Stunden Spielzeit hinweg. Die karge Bühne tut der Konzentration auf Houellebecqs unerhörtes Phantasiegebäude gut. Und sie hat ihren nicht kleinen Anteil daran, dass Gert Becker mit seiner „Unterwerfung“ ein überzeugendes, verstörendes, durchaus aber auch unterhaltsames Stück Theater gelungen ist. Herzlicher, anhaltender Applaus.“
Westfälischer Anzeiger, Rolf Pfeiffer

“In der Kritik stehen weder der Islam, noch die Rechtspopulisten, sondern jeder Einzelne, der das große Ganze nicht sehen will, weil er meint, es ginge ihn nichts an und sich mit einfachen Antworten und falschen Versprechungen zufriedengibt. Beckers Version von “Unterwerfung” ist unbedingt zu empfehlen, nicht zuletzt wegen der großartigen Leistung der vier Darsteller.”
Herner Sonntagsnachrichten, Miriam Zumbusch

“Das Publikum honoriert die Aussagekraft dieses aktuellen Diskussionsbeitrags zum politisch-gesellschaftlichen Geschehen mit lang anhaltendem Applaus. Zurück bleibt Nachdenklichkeit.”
Siegener Zeitung