Klaus und Erika
Preis: 10,00€ - 10,00€
Von Lucas Svensson
Marian Kindermann
Klaus
Elena Schmidt
Erika
Stefanie Reinsperger
Effi
Anna Kubin
Mielein / Hungermutti / Salomé
Florian Jahr
Fischer-Reclam / Hungergurt / Zauberer
Markus Danzeisen
Der Mann mit der Tuba / Der Briefträger / Der Schaffner
Im Sommer 1914 – der Erste Weltkrieg ist gerade erklärt – schreibt Thomas Mann an seinem
Zauberberg. Während aus dem Arbeitszimmer des Vaters Wagners Werke dröhnen, müssen die Kinder im Haus, die neunjährige Erika und der ein Jahr jüngere Klaus, vor allem eins vermeiden: Lärm. Beide versuchen sich in der leisen Tätigkeit des Vaters, den sie Zauberer nennen. Klaus schreibt Märchen, Erika Gedichte. Doch dafür hat der berühmte Schriftsteller kein Ohr – schon gar nicht, wenn darin von homoerotischen Träumen die Rede ist. Die Haushälterin Effi muss mit den Ängsten und der überbordenden Fantasie der Kinder, die nach Anerkennung lechzen, allein fertig werden.
Lucas Svensson verwebt historische Fakten und literarische Fundstücke zu einem poetischen Traumspiel unter dem allgegenwärtigen Porträt des Vaters Thomas Mann, der die gesamte Jugendzeit seiner Kinder an seinem Opus magnum schreibt und später notieren wird: «Erziehung ist Atmosphäre, weiter nichts.» Klaus und Erika sind schon als Kinder die schillernden Zwillinge, als die sie sich später ausgeben werden, und spielen naiv mit den Identitätsentwürfen und Geschlechterrollen, die die Welt der Erwachsenen ihnen anbietet. Aus ihrem Kampf mit den Wörtern entspinnt sich ein Vexierspiel über Fiktion und Realität, Anpassung und Rebellion.
Lucas Svensson, geboren 1973, ist Dramatiker und Dramaturg. Von 2003 bis 2010 war er Hausautor am Königlichen Nationaltheater Dramaten in Stockholm. Er wurde mit dem schwedischen Kinder- und Jugendliteraturpreis Expressens Heffaklump und mit dem Preis der Ibsen-Gesellschaft ausgezeichnet. Seine Stücke werden in Schweden, Dänemark, Serbien und Deutschland aufgeführt. Zurzeit ist er Dramaturg am Staatstheater Göteborg.
Die Kinder des berühmten Schriftstellers Thomas Mann, Erika und Klaus, müssen still sein, wenn ihr Vater arbeitet. Dabei sehnen sie sich nach Aufmerksamkeit und Anerkennung.
Äußerlich ähneln sich Klaus und Erika wie Zwillinge, sie tragen die gleiche Kleidung und die gleiche Prinz-Eisenherz-Frisur. Die frühe Symbiose wird sich fortsetzen, wie man aus den Biografien der Mann-Familie weiß. Erika bügelt Verletzungen leichter weg, spielwütig flüchtet sie sich in die Theaterwelt. Der beklagenswerte Klaus dagegen kämpft vergeblich gegen seine Albträume an. Für ihn gibt es keine Hilfe, keine Rettung. Elena Schmidt und Marian Kindermann fesseln mit atemberaubender Intensität. Andere Figuren wie die hüstelnde Mutter "Mielchen" (Anna Kubin), die deftige Hausmagd Effi (Stefanie Reinsperger) oder der Dandy Fischer-Reclam (Florian Jahr) sind mit gröberen Strichen gezeichnet, wieder andere stammen aus dem Panoptikum.
RP, 4.6.12
In einem leeren Riesen-Korridor spielen, schreien und tanzen sie sich frei von Aggressionen und mimen die lautstarken Nervensägen. Marian Kindermann und Elena Schmidt entfachen in den Titelrollen ein Wechselbad zwischen Überschwang und Hysterie, Enttäuschung und Trauer, zwischen pubertärer Power und Größenwahn. In extrem grotesken Tonfall betteln sie nach väterlicher Anerkennung und Liebe, haben aber weniger Zutritt zum Papa als Hausangestellte und Verleger: Respekt vor der Leistung von Regie und vor erstklassiger wandlungsfähiger Schauspielkunst.
NRZ, 2.6.12
ddrfschauspielhaus