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ewigkeit.culture...
Elke Panke
Literatur
Taschenbuch "Am Ende des Sommers", Liebesgeschichten:
Romantisch. Prickelnd. Spannend.
Preis: 14 €, Titelfoto:: Barbara Schwerdorf

Taschenbuch "Ich war einmal", 50 Kurzgeschichten,
Preis: 14 €, Illustrationen: Elke Panke

Inspiration pur!

Manches sieht man auf den ersten Blick, anderes wird ausgeblendet.
Und bisweilen genügt ein flüchtiger Gedanke, ein Text, ein Gedicht oder eine
kleine Geschichte - und plötzlich erkennen wir, dass wir etwas Wesentliches
übersehen haben.
Meine eigenhändig liebevoll farbig illustrierten Lookbooks „Buntes Leben“ und
„Menschenskinder“, Jahresbegleiter (ohne Jahreszahl), zum Aufhängen in DIN-A-4-Größe,
verzaubern das Alltagsgrau und schenken Ihnen bunte Gute-Laune-Tage!
Preis pro Lookbook: 10 €, Bestellung unter: elkepanke@web.de

Foto-Lookbook "SichtWeise",
Texte: Elke Panke
Fotografien: Barbara Schwerdorf
Preis: 12 €, Bestellung unter elkepanke@web.de

Hühnersuppe für die Seele

Gitti‘s Büdchen, mitten auf dem Marktplatz, war der Treffpunkt für Kunden, die morgens ab sieben auf dem Wege zur Arbeit noch schnell einen Blick in die Zeitung werfen, ein belegtes Brötchen oder einen Coffee to go kaufen wollten. Oma Gitti hatte für ihre Kundschaft stets ein strahlendes Lächeln und ein gutes Wort übrig. Und anschreiben lassen, so wie früher, konnte man auch bei ihr. Das Beste jedoch war Oma Gitti‘s selbstgemachte Hühnersuppe. „Die kann sogar Tote wieder zum Leben erwecken!“, behauptete Dr. Schneider von gegenüber. Bei einem grippalen Infekt verschrieb er jedenfalls keine Medikamente, schon gar kein Antibiotikum, sondern empfahl Oma Gitti’s Hühnersuppe.
Eines Morgens blieb Gitti’s Büdchen geschlossen. Ich stieg vom Rad und schaute auf meine Uhr: Sieben Uhr dreißig … schon! Mein Nachbar, Herr Lederer, begrüßte mich: „Moin! Komisch. Sonst ist Gitti immer pünktlich, überpünktlich sogar!“
„Guten Morgen, Herr Lederer! Haben Sie schon nachgesehen, ob irgendwo ein Hinweisschild angebracht ist? Vielleicht öffnet Oma Gitti heute etwas später.“
Herr Lederer brummte etwas Unverständliches und ging einmal rund ums Büdchen. Kopfschüttelnd tauchte er wieder auf: „Nichts. Versteh ich nicht!“
Ich seufzte: „Vielleicht hat sich Oma Gitti verschlafen. Das kann ja mal vorkommen … in ihrem Alter!“
Herr Lederer schüttelte wieder den Kopf: „Ja, kann sein, dass sie auf ihre alten Tage hin nicht mehr so früh aus den Federn kommt!“
„Wir können ja noch etwas warten. Also, ich habe Zeit!“, sagte ich und schaute wieder auf meine Uhr: Sieben Uhr zweiundvierzig!
Nach einiger Zeit gesellten sich die Apothekerin Frau Dr. Menzel, meine Bekannte Uschi, zwei Zechenarbeiter sowie der Lehrer Herr Baumgärtner zu Herrn Lederer und mir. „Omma hat sich wohl verpennt!“, vermutete ein Zechenarbeiter und zündete sich eine Zigarette an. Sein Kumpel lachte: „Vielleicht war Omma heut‘ Nacht nicht allein!“ Sein Lachen klang tief und freundlich.
Frau Dr. Menzel blickte nervös auf ihre Armbanduhr: Sieben Uhr fünfzig!
Da hüpfte die kleine Emma, die sich jeden Morgen hier vor dem Unterricht für fünfzig Cents Lakritzschnecken kauft, an uns vorbei, blieb plötzlich stehen und rief: „Die Oma Gitti kommt nicht!“
„Woher weißt du das?“, fragte Frau Dr. Menzel. Emma grinste: „Die Oma Gitti hat mir gestern verraten, dass sie ihren Engel besuchen will, und dazu muss sie in den Himmel fliegen. Aber ich darf‘s nicht erzählen, weil das ein Geheimnis ist!“
Ich lächelte: „Du meinst wohl, Oma Gitti möchte ihren Enkel besuchen, und dazu muss sie fliegen, also mit einem Flugzeug!“
„Nein!“, beharrte Emma, „Die Oma Gitti besucht ihren Engel. Hat sie gesagt. Sie fliegt auf einer Wolke in den Himmel. Hat sie gesagt. Und dass sie für die armen Seelen Hühnersuppe kochen will!“
Herr Baumgärtner meldete sich zu Wort: „Irgendetwas stimmt hier nicht. Kennt jemand Oma Gitti’s Adresse?“ Frau Dr. Menzel nickte: „Ich wohne gleich nebenan. Kommen Sie … am besten, wir schauen mal nach ihr!“
Wir anderen warteten schweigend. Herr Lederer steckte eine Zigarette zwischen die Lippen, vergaß jedoch, sie anzuzünden, und auf einmal rief Emma: „Hurra! Oma Gitti ist oben angekommen!“ Dann winkte sie lächelnd ein Lebewohl in den durchsichtig blauen Himmel hinein und hüpfte mit ausgelassenen Sprüngen davon. Wir schauten alle ziemlich verwirrt, denn plötzlich roch es ganz stark nach Hühnersuppe und Lakritz. Punkt acht.

© Elke Panke
Jahrgang 1957, lebt in Moers. Erste Geschichten mit 12 Jahren, angeregt durch die Kurzgeschichten von Wolfgang Borchert. Seit dem Jahre 2000 erfolgreiche Lesungen, Veröffentlichungen in Zeitungen sowie Interviews (Bürgerfunksendungen), Radio Kreis Wesel, Literaturpreis. Mit Kopf und Herz widmet sie sich den vielgestaltigen Aspekten des Lebens. Auf die Frage, woher sie ihre Inspiration für ihre Geschichten erhalte, antwortet Elke Panke: „Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, fühlt sich überall und jederzeit inspiriert. Ich schreibe, weil mich Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit zutiefst erschrecken, und wenn die eigene Bequemlichkeit oberste Priorität besitzt, finde ich das überaus beängstigend. Aber das Leben ist ein Wunder – und Menschen sind wundersam.“

2000 Literaturpreis, Rheinberg
Veröffentlichungen in Zeitungen etc.
Interviews Bürgerfunk, Radio Kreis Wesel